Bewertungskriterien
Beim Abriss von Gebäuden landen Bauteile häufig in der Shredderanlage, obwohl sie technisch wiederverwendbar wären. Fachleute haben nun einen einheitlichen Bewertungsrahmen erarbeitet – mit systematischen Kriterien.
Neuer Standard für Wiederverwendung von Bauteilen
Stahlträger, Fensterelemente, Fassadenplatten – beim Abriss von Gebäuden wandern Bauteile häufig in die Shredderanlage oder auf die Deponie. Was als Bauschutt endet, ließe sich oft auch wiederverwenden. Um dies zu erleichtern, haben 60 Fachleute aus Universitäten, Verbänden, Genossenschaften und Unternehmen der Bau-, Abbruch- und Recyclingwirtschaft nun eine Standardisierung erarbeitet.
Entstanden ist daraus der neue Standard DIN SPEC 91525, der erstmals einen standardisierten Rahmen für sogenannte Anschlussnutzungskonzepte schaffen soll. „Damit werden Planende, Bauherr:innen und Ausführende unterstützt, Wiederverwendung, Weiterverwendung und hochwertige Verwertung systematisch zu bewerten“, erklärt Caroline Braus, Konsortialleiterin und Circular Consultant bei der Beratungsfirma Concular.
Der neue Standard definiert sowohl wirtschaftliche, technische als auch ökologische Bewertungskriterien. Bislang fehlte ein solcher einheitlicher Rahmen. Die Folge: Beim Rückbau werden Baustoffe häufig nur gedowncycelt – etwa zu Füllmaterial im Straßenbau – oder direkt entsorgt. Eine hochwertige Wiederverwendung scheitert oft an fehlenden Informationen über die Qualität und Eignung der Bauteile.
Regulatorisch knüpft die DIN SPEC 91525 an mehrere europäische und nationale Vorgaben an. Laut Concular basiert der neue Standard auf der im Jahr 2024 novellierten EU-Bauprodukteverordnung, nach der wiedergewonnene Bauteile grundsätzlich wie neue zu behandeln sind. Die Verordnung (EU) 2024/3110 trat am 7. Januar 2025 in Kraft und fördert den Einsatz von wiederverwendeten Baumaterialien ausdrücklich. Zudem erfülle die DIN SPEC 91525 zentrale Anforderungen der EU-Abfallrahmenrichtlinie, des Kreislaufwirtschaftsgesetzes (KrWG) und der Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS).