Neue Studie

2025 gingen weltweit rund 180 neue Biomassekraftwerke in Betrieb – so viele wie seit sieben Jahren nicht. Während China den Ausbau fast vollständig eingestellt hat, investieren andere Länder kräftig. Auch in Europa entstehen neue Kapazitäten.

Globaler Ausbau von Biomassekraftwerken auf Rekordhoch


Der weltweite Ausbau von Biomassekraftwerken hat 2025 den höchsten Stand seit sieben Jahren erreicht. Rund 180 neue Anlagen gingen im vergangenen Jahr in Betrieb, der globale Bestand stieg damit auf über 5.800 Biomassekraftwerke (BMKW) mit einer installierten Stromerzeugungsleistung von 94,7 Gigawatt elektrisch. Das geht aus der aktuellen Jahresstudie des Beratungsunternehmens ecoprog zum globalen Markt für Biomass-to-Energy hervor.

Das globale Wachstum speist sich jedoch kaum noch aus China, das den Ausbau über Jahre maßgeblich getragen hatte. In der Volksrepublik wurden 2025 nur etwa zehn neue Anlagen mit einer Kapazität von 200 Megawatt in Betrieb genommen – 2021 waren es noch rund 60 Anlagen mit insgesamt 2,3 Gigawatt. ecoprog führt den Einbruch auf eine zunehmende Marktsättigung und gesunkene Fördertarife zurück.

Dass der globale Markt dennoch wächst, liegt an der Dynamik in anderen Regionen. Asien hält mit mehr als 38 Gigawatt weiterhin den größten Anlagenbestand, gefolgt von Europa mit rund 24 Gigawatt. Bis 2034 prognostiziert das Beratungsunternehmen einen Anstieg auf weltweit 6.800 Biomassekraftwerke mit einer Leistung von knapp 109 Gigawatt.

Den Wegfall chinesischer Kapazitäten kompensiert vor allem Japan. 2025 gingen dort unter anderem zwei Großanlagen mit je 50 Megawatt in Tomakomai und Gobō ans Netz, weitere Projekte sind angekündigt. Für das kommende Jahrzehnt erwartet ecoprog einen Zubau von mehr als 3 Gigawatt, wobei sich das Tempo nach 2030 voraussichtlich verlangsamen wird.

Neben Japan rücken weitere Länder nach. Vietnam etwa baut seine Kapazitäten aus – ecoprog rechnet dort mit einem Zuwachs von rund 800 Megawatt bis 2034. Der asiatische Kontinent bleibt damit die Region mit den meisten Neuinbetriebnahmen, auch wenn sich die Gewichte innerhalb Asiens verschieben.

Strukturwandel in Europa

In Europa liegt der Schwerpunkt anders. Der Kontinent führt bei den Gesamtinvestitionen in Neubau, Modernisierung und Instandhaltung – nicht zuletzt, weil der bestehende Anlagenpark gepflegt werden muss. Zugleich entstehen neue Großprojekte: In Spanien fließen 250 Millionen Euro in das Vorhaben von Solvay in Torrelavega, in Polen wird die Anlage in Częstochowa für rund 100 Millionen Euro von Kohle auf Biomasse umgestellt.

Gleichzeitig durchläuft der europäische Markt einen Strukturwandel. Mit der EU RED III steigen die Nachhaltigkeitsanforderungen an die energetische Verwertung von Biomasse. Die im November 2023 in Kraft getretene Richtlinie (EU) 2023/2413 untersagt den Mitgliedstaaten grundsätzlich Subventionen für die reine Stromerzeugung aus forstwirtschaftlicher Biomasse in konventionellen Neuanlagen. Ausnahmen gelten nur für Regionen im Strukturwandel, Anlagen mit CO2-Abscheidung und abgelegene Gebiete.

Die regulatorischen Vorgaben verändern damit die Marktlogik: Die Förderung von Strom aus Biomasse geht zurück, der Wärmemarkt gewinnt an Bedeutung. „In Zukunft wird Biomasse somit immer relevanter für die Dekarbonisierung von industrieller Prozesswärme und Fernwärme“, heißt es bei ecoprog. In Frankreich zeichnet sich diese Entwicklung bereits ab – der französische Wärmefonds verfügte 2024 und 2025 über jeweils rund 800 Millionen Euro.

USA bleiben wichtiger Markt

In Nordamerika bleiben die USA trotz eines unsicheren politischen Umfelds ein wichtiger Markt. Die Entwicklung speist sich aus zwei Quellen: Zum einen treiben Projekte im Rahmen des Kohleausstiegs den Ausbau voran, zum anderen gewinnt BECCS an Bedeutung. Die Abkürzung steht für Bioenergy with Carbon Capture and Storage – die CO2-Abscheidung und -Speicherung an Biomasseanlagen.

Bei BECCS wird das bei der Verbrennung von Biomasse entstehende CO2 abgeschieden und geologisch gespeichert. Da die Biomasse zuvor CO2 aus der Atmosphäre aufgenommen hat, können so rechnerisch negative Emissionen entstehen. Weltweit sind derzeit über zehn BECCS-Anlagen in Betrieb, überwiegend in der Ethanolproduktion. Viele davon allerdings noch in kleinerem oder Pilotmaßstab.

Auch in Südamerika wächst der Markt – hier allerdings auf Grundlage einer anderen Ressourcenbasis. Brasilien dominiert die Region. ecoprog erwartet dort für das kommende Jahrzehnt einen Zubau von rund 3 Gigawatt. Die Grundlage dafür bilden die starke Zucker- und Ethanolindustrie sowie die Zellstoff- und Papierbranche, die große Mengen an Biomasse als Reststoff verfügbar machen.

320°/re

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