Pilotanlage

Die Aluminiumschicht in Getränkekartons ist für etwa ein Drittel der Treibhausgasemissionen bei der Materialherstellung verantwortlich. Tetra Pak will sie durch eine papierbasierte Barriere ersetzen und investiert 60 Millionen Euro in eine Pilotanlage.

Tetra Pak investiert in aluminiumfreien Getränkekarton


Im Dezember 2024 nahm Tetra Pak bei den Sustainable Packaging News Awards den Preis für Ressourceneffizienz entgegen. Ausgezeichnet wurde eine Kartonverpackung, die das Unternehmen gemeinsam mit dem portugiesischen Molkereibetrieb Lactogal entwickelt hatte. Der Getränkekarton ist der erste seiner Art, der aseptisch ist und eine papierbasierte Barriere statt der üblichen Aluminiumschicht hat. Nun geht der Verpackungshersteller den nächsten Schritt und investiert 60 Millionen Euro in eine Pilotanlage, die diese Technologie zur industriellen Reife bringen soll.

Im Kern geht es um einen Materialwechsel, der die Verpackungsbranche seit Jahren beschäftigt. In herkömmlichen aseptischen Kartons hält eine hauchdünne Aluminiumfolie Sauerstoff und Licht vom Inhalt fern und ermöglicht so die monatelange Haltbarkeit von Milch und Säften ohne Kühlung. Doch diese Metallschicht erschwert die Trennung der Materialien im Recyclingprozess – ein Problem, das die neue papierbasierte Barriere lösen soll. Die Technologie erhöht laut Tetra Pak den Papieranteil der Verpackung auf rund 80 Prozent, in Kombination mit pflanzenbasierten Polymeren steige der erneuerbare Anteil eines Kartons auf bis zu 92 Prozent.

Die Auswirkungen auf die Klimabilanz sind beträchtlich. Laut Unternehmensangaben verursacht die Aluminiumschicht etwa ein Drittel der Treibhausgasemissionen, die bei der Herstellung der Verpackungsmaterialien entstehen. Der Verzicht darauf reduziert den CO₂-Fußabdruck der Verpackung um bis zu 43 Prozent.

Inbetriebnahme im kommenden Jahr

Die neue Anlage entsteht am schwedischen Standort Lund, wo Tetra Pak bereits mit der Lund University kooperiert und die Testeinrichtungen des MAX IV Laboratory nutzt. Die 2016 eröffnete Synchrotronstrahlungsquelle zählt zu den leistungsfähigsten weltweit und ermöglicht die Analyse von Materialien auf atomarer Ebene. Mehr als 1.700 Wissenschaftler aus 34 Ländern führen dort jährlich Experimente durch – unter anderem in der Entwicklung nachhaltiger und zirkulärer Verpackungsmaterialien. Diese Infrastruktur soll helfen, die papierbasierte Barriere weiterzuentwickeln und für unterschiedliche Anwendungen zu optimieren.

Nach derzeitigem Planungsstand soll die Pilotanlage im ersten Quartal 2027 in Betrieb gehen. Die 60-Millionen-Euro-Investition ist dabei Teil eines größeren Vorhabens. Bis 2030 plant das Unternehmen, jährlich rund 100 Millionen Euro in nachhaltige Verpackungslösungen zu investieren. Das erklärte Ziel: eine vollständig papierbasierte, aseptische Verpackung aus nachwachsenden oder recycelten Materialien, die sich komplett recyceln lässt.

320°/re

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