Klimaschutz
Zement, Stahl, Tierhaltung – manche Emissionen lassen sich auch bei konsequentem Klimaschutz kaum vermeiden. Für Klimaneutralität muss daher CO2 aktiv aus der Atmosphäre entnommen werden. Eine neue Plattform zeigt, welche Verfahren infrage kommen.
Neue Plattform zeigt Potenziale für CO2-Entnahme
Bei der Zementherstellung entsteht Kohlendioxid, wenn Kalkstein chemisch zersetzt wird. In der Stahlindustrie setzt die Reduktion von Eisenerz mit Koks große Mengen CO2 frei. Und in der Landwirtschaft bildet sich Methan im Verdauungstrakt von Rindern. Selbst bei ambitioniertem Klimaschutz lassen sich solche Emissionen kaum vollständig vermeiden. Um dennoch Klimaneutralität zu erreichen, muss Kohlendioxid aktiv aus der Atmosphäre entnommen werden – doch welche Verfahren eignen sich dafür, und wo lassen sie sich umsetzen?
Eine neue Online-Plattform systematisiert dazu den aktuellen Forschungsstand. Das GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel hat den Carbon Removal Atlas (CDRatlas) veröffentlicht, eine frei zugängliche Wissensplattform, die wissenschaftliche Informationen zu Methoden der Kohlendioxid-Entnahme bündelt.
Da sich nicht jede Methode überall umsetzen lässt, setzt der CDRatlas auf eine kartenbasierte Darstellung. Die interaktiven Karten zeigen, wo Potenziale liegen und Grenzen bestehen. Alle dargestellten Informationen sind mit Quellen hinterlegt. Die Plattform selbst stellt dabei keine Rohdaten bereit, sondern verweist auf die jeweiligen Originalquellen.
Karten zeigen Potenziale und Grenzen
Im Zentrum der Plattform stehen detaillierte Prozessketten für verschiedene CDR-Methoden. Diese Darstellungen führen durch alle Schritte eines Verfahrens – von der Planung über die technische Umsetzung bis hin zur Überwachung der CO2-Speicherung. In der Fachsprache nennt sich das Monitoring, Reporting and Verification (MRV).
„Es gibt keinen Mangel an Ideen zur CO2-Entnahme, aber bislang fehlte eine umfassende Übersicht, welche auch die räumlichen Möglichkeiten und Einschränkungen aufzeigt“, sagt Steffen Swoboda, der das Projekt am GEOMAR leitet. „Der CDRatlas hilft dabei, die einzelnen Methoden besser zu bewerten und Lücken in unserem Wissen aufzuzeigen.“
Zum Start beschreibt die Plattform zwei Verfahren. Das erste ist die Erhöhung der Alkalinität im Ozean, bei der basische Substanzen ins Meerwasser eingebracht werden, um dessen CO₂-Aufnahmekapazität zu steigern. Dieser Ansatz nutzt die natürliche Fähigkeit der Ozeane, Kohlendioxid zu binden, und verstärkt sie durch gezielte Eingriffe.
Das zweite Verfahren ist die Aufforstung von Mangroven. Diese salztoleranten Bäume und Sträucher wachsen in tropischen Küstenregionen und gelten als leistungsfähige Kohlenstoffspeicher. Studien zeigen, dass Mangrovenwälder pro Hektar bis zu viermal so viel Kohlenstoff speichern können wie tropische Regenwälder.
Im Laufe des Jahres sollen weitere Verfahren hinzukommen. Geplant sind Einträge zur Wiederaufforstung von Wäldern, zu Bioenergie mit CO2-Abscheidung und -Speicherung (BECCS), zur Renaturierung von Seegraswiesen sowie zu Aquakulturen von Makroalgen.
Breites Forschungsnetzwerk
Hinter dem CDRatlas steht eine deutschlandweite Kooperation. Neben dem GEOMAR haben das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung, das Leibniz-Zentrum für Tropenforschung, die Ludwig-Maximilians-Universität München sowie das Alfred-Wegener-Institut für Meeres- und Polarforschung an der Entwicklung mitgewirkt.
Diese Aufstellung spiegelt sich in der inhaltlichen Bandbreite wider: Die Plattform soll sowohl naturbasierte als auch technische Verfahren abdecken. Ergänzt wird der CDRatlas durch eine Literaturdatenbank, die kontinuierlich aktualisiert wird.



