Altreifenrecycling

Seit Januar dieses Jahres darf Pyrolyseöl aus Altreifen in Frankreich als regulärer Industrierohstoff gehandelt werden. Für die chemische Industrie ist das eine gute Nachricht. Und für die Recyclingindustrie auch.

Frankreich erkennt Pyrolyseöl als Rohstoff an


Frankreich hat Pyrolyseöl aus Altreifen offiziell als Rohstoff für die chemische Industrie eingestuft. Die französischen Behörden entschieden am 17. Januar 2026, dass sogenanntes Tire Pyrolysis Oil (TPO) den Abfallstatus verliert und als regulärer Einsatzstoff gehandelt werden darf. Die Entscheidung beseitigt eine zentrale regulatorische Hürde für den Einsatz von Pyrolyseprodukten in chemischen Wertschöpfungsketten.

Bislang galt TPO im französischen Abfallrecht als Abfallprodukt. Diese Klassifizierung erschwerte die Integration in industrielle Lieferketten, da für Abfälle strengere Transport-, Lager- und Handelsvorschriften gelten als für Rohstoffe. Mit der Neueinstufung verbessert sich die Planbarkeit für Hersteller und Abnehmer – sowohl bei Investitionsentscheidungen als auch beim Aufbau langfristiger Lieferverträge.

Pyrum Innovations sieht Marktsignal

Zu den Unternehmen, die Pyrolyseöl vermarkten, gehört unter anderem die Firma Pyrum Innovations. Das Unternehmen mit Sitz im saarländischen Dillingen verarbeitet Altreifen mittels Pyrolyse zu drei Produktfraktionen: Pyrolyseöl, Industrieruß (Recovered Carbon Black) und Stahl. Pyrum betreibt seit 2020 eine kommerzielle Pyrolyseanlage und hat unter anderem eine Kooperationsvereinbarung mit BASF über die Abnahme von Pyrolyseöl als Einsatzstoff für das chemische Recycling geschlossen.

„Die Entscheidung in Frankreich ist ein wichtiger Schritt für die industrielle Nutzung von Pyrolyseöl aus Altreifen“, sagt Pascal Klein, CEO von Pyrum Innovations. Die Entscheidung unterstütze „eine Entwicklung, die wir in vielen Märkten beobachten: Die chemische Industrie sucht verlässliche Rohstoffalternativen, die sowohl technologisch belastbar als auch regulatorisch klar eingeordnet sind.“

Eine einheitliche End-of-Waste-Regelung für Pyrolyseprodukte aus Altreifen existiert auf EU-Ebene bislang nicht. Die Einstufung, wann ein Recyclingprodukt den Abfallstatus verliert, liegt derzeit bei den einzelnen Mitgliedstaaten. Frankreich gehört damit zu den ersten Ländern, die für TPO eine verbindliche Rohstoffkategorie geschaffen haben.

Für den Markthochlauf von Recyclingrohstoffen gilt die regulatorische Einordnung als entscheidende Voraussetzung. Ohne klare Produktkategorien fehlt Unternehmen die Grundlage, um Qualitätsstandards zu definieren, Abnahmebeziehungen vertraglich abzusichern und Produktionskapazitäten zu skalieren.

Nach Schätzungen des World Business Council for Sustainable Development (WBCSD) fallen weltweit jährlich rund eine Milliarde Altreifen an. In Frankreich sind es etwa 30 Millionen pro Jahr. Nur ein Bruchteil wird bislang stofflich verwertet – der überwiegende Teil geht in die energetische Verwertung, wird exportiert oder deponiert. Die Pyrolyse gilt als eine der Technologien, die eine höherwertige Verwertung ermöglichen soll, befindet sich industriell aber noch in der Skalierungsphase.

320°/re

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