Zahlen für 2025

Der Stellenabbau in der deutschen Industrie hat sich im vergangenen Jahr noch einmal verschärft. Einige Sektoren waren davon besonders stark betroffen. Für das Jahr 2026 machen Experten nur wenig Hoffnung.

Deutsche Industrie verliert 124.000 Jobs


Die deutsche Industrie hat 2025 rund 124.000 Arbeitsplätze abgebaut – nahezu doppelt so viele wie im Vorjahr. Das geht aus einer Analyse der Beratungsgesellschaft Ernst & Young (EY) hervor, die auf Daten des Statistischen Bundesamts basiert. Ende des Jahres waren demnach noch etwa 5,38 Millionen Menschen in Industriebetrieben mit mindestens 50 Beschäftigten tätig, was einem Rückgang von 2,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Am härtesten traf es die Automobilbranche, auf die allein rund 50.000 der gestrichenen Stellen entfielen.

„Die deutsche Industrie steckt in einer tiefen Krise“, sagte Jan Brorhilker, Managing Partner bei EY. Seit 2023 seien die Industrieumsätze um fast fünf Prozent geschrumpft. Den Stellenabbau bezeichnete Brorhilker dennoch als moderat – gemessen an der Dimension des Umsatzrückgangs. Zugleich machte er die Tragweite der Lage deutlich: „Es bräuchte schon einen echten und deutlichen Aufschwung, um ein weiteres Abschmelzen der Beschäftigung zu verhindern.“

Automobilbranche mit den größten Verlusten

Fast jeder zweite in der Industrie gestrichene Job entfiel 2025 auf die Autobranche. Im Vergleich zum Vor-Corona-Jahr 2019 schrumpfte die Beschäftigung in der Automobilindustrie sogar um 111.000 Stellen oder 13 Prozent. In keinem anderen Industriezweig fiel der Rückgang größer aus.

Die Krise der Autobranche schlägt sich auch in einer steigenden Zahl von Insolvenzen nieder. Die Unternehmensberatung Falkensteg zählte für das Gesamtjahr 2025 insgesamt 60 Insolvenzen größerer Zulieferbetriebe mit einem Jahresumsatz von mehr als zehn Millionen Euro. Für 2026 erwarten die Experten keine Trendwende, sondern eine weitere Verschärfung der Lage.

In der längerfristigen Betrachtung fallen die Verluste noch gravierender aus. Seit dem Vor-Corona-Jahr 2019 sank die Zahl der Industriebeschäftigten um rund 266.000 – ein Minus von knapp fünf Prozent. Die Textilindustrie verzeichnete in diesem Zeitraum einen Beschäftigungsrückgang von 16 Prozent, die Metallindustrie von 13 Prozent. Die Automobilbranche liegt mit einem Minus von 13 Prozent auf dem Niveau der Metallindustrie, übertrifft diese jedoch in absoluten Zahlen bei Weitem.

Grafik: picture alliance/dpa-Infografik

Für das laufende Jahr erwartet EY einen weiteren Rückgang der Industriebeschäftigung. Schwache Auftragseingänge, hoher internationaler Wettbewerbsdruck und die steigende Zahl von Insolvenzen – insbesondere bei Autozulieferern – dürften den Stellenabbau fortsetzen.Auch das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) ermittelte in seiner Konjunkturumfrage vom Dezember 2025, dass vier von zehn Industriefirmen auch 2026 Stellen abbauen wollen.

Zwar rechnen Ökonomen damit, dass die deutsche Wirtschaft nach drei Jahren der Rezession und Stagnation in diesem Jahr wieder um rund ein Prozent wächst. Doch bis sich der prognostizierte Aufschwung in den Betrieben und auf dem Arbeitsmarkt niederschlägt, vergeht in der Regel viel Zeit. Einen breiten Aufschwung erwarten Volkswirte daher erst 2027, wenn die staatlichen Milliardenausgaben für Rüstung und Infrastruktur ihre volle Wirkung entfalten.

Offen bleibt jedoch, ob die fiskalischen Impulse ausreichen, um die strukturellen Probleme der deutschen Industrie zu lösen. Hohe Energiekosten, Fachkräftemangel, bürokratische Belastungen und die Transformation ganzer Wertschöpfungsketten – etwa vom Verbrennungsmotor zur Elektromobilität – wirken langfristig und lassen sich nicht allein durch konjunkturpolitische Maßnahmen adressieren.

320°/dpa/re

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