Standort in Polen

In Wałbrzych fertigt Toyota seit über 20 Jahren Hybridantriebe – künftig werden dort auch Fahrzeuge systematisch zerlegt. Der Konzern errichtet auf dem bestehenden Werksgelände ein neues Werk für Kreislaufwirtschaft. Es ist bereits die zweite Circular Factory.

Toyota eröffnet zweites Werk für Kreislaufwirtschaft


In Wałbrzych, wo Toyota Motor Manufacturing Poland seit mehr als zwei Jahrzehnten Hybridantriebe fertigt, entsteht eine Anlage, die den umgekehrten Weg geht: Statt neue Komponenten zu bauen, soll sie ausgediente Fahrzeuge systematisch zerlegen. Toyota Motor Europe hat die Eröffnung einer sogenannten Circular Factory angekündigt, die auf dem bestehenden Werksgelände im niederschlesischen Wałbrzych errichtet wird.

Die neue Anlage wird eine Fläche von 25.000 Quadratmetern umfassen und jährlich etwa 20.000 End-of-Life-Fahrzeuge (ELV) verarbeiten. Ziel der Anlage ist die Rückgewinnung wiederverwendbarer Komponenten und verwertbarer Rohstoffe. Batterien, Räder und weitere Bauteile werden dabei auf ihre Eignung zur Wiederaufbereitung, Weiterverwendung oder zum Recycling geprüft. Materialien wie Kupfer, Stahl, Aluminium und Kunststoffe sollen anschließend in der Produktion neuer Toyota-Fahrzeuge eingesetzt werden.

Die Fabrik in Polen ist Toyotas zweites Werk für Kreislaufwirtschaft in Europa. Als Referenzprojekt dient das im vergangenen Jahr in Betrieb genommene Werk am britischen Toyota-Standort Burnaston in Derbyshire. Die britische Anlage verarbeitet derzeit rund 10.000 Fahrzeuge pro Jahr ein Fahrzeug wird in etwa drei Stunden vollständig demontiert.

Dabei werden laut Toyota Motor Europe etwa 120.000 Teile für den Ersatzteilmarkt zurückgewonnen, dazu rund 300 Tonnen hochreiner Kunststoff und 8.200 Tonnen Stahl. Das polnische Werk soll mit einer doppelt so hohen Verarbeitungskapazität von Beginn an deutlich größer dimensioniert sein.

Weitere Investitionen geplant

Für die Wahl des Standorts Polen führt Toyota vor allem wirtschaftliche und infrastrukturelle Gründe an. „Wir haben uns für Polen entschieden, da es ein großes Marktpotenzial für die Beschaffung von Altfahrzeugen sowie für das Recycling entlang der gesamten Wertschöpfungskette bietet. Darüber hinaus verfügen wir bereits über eine gut etablierte Produktionsinfrastruktur. In den kommenden Jahren planen wir ähnliche Investitionen in anderen europäischen Märkten“, kündigt Leon van der Merwe, Vice President Circular Economy bei Toyota Motor Europe, an.

Für die Standortwahl sprechen auch andere Faktoren: Polen gehört mit rund 450.000 Altfahrzeugen pro Jahr (Eurostat-Daten für 2021) zu den größten ELV-Märkten der EU – noch vor Deutschland, das im selben Zeitraum knapp 400.000 Altfahrzeuge verzeichnete. Gleichzeitig betreibt TMMP in Wałbrzych und im nahegelegenen Jelcz-Laskowice bereits zwei Fertigungsstandorte mit rund 3.000 Beschäftigten. Die bestehende Infrastruktur senkt die Anlaufinvestitionen und ermöglicht eine engere Verzahnung von Demontage und Neuproduktion.

Die Investition fällt in eine Phase, in der die europäischen Rahmenbedingungen für die Altfahrzeugverwertung grundlegend neu geordnet werden. So sieht die neue EU-Altfahrzeugverordnung unter anderem vor, dass Neufahrzeuge künftig so konstruiert sein müssen, dass Bauteile leichter demontiert werden können. Zudem werden verbindliche Mindestquoten für den Einsatz von Recyclingkunststoff eingeführt und die erweiterte Herstellerverantwortung deutlich ausgeweitet. Ein weiterer Punkt der Verordnung ist das Verbot des Exports von „nicht mehr fahrtüchtigen“ Gebrauchtwagen in Nicht-OECD-Länder, um den Export von Schrott unter dem Deckmantel von Gebrauchtwagen zu stoppen.

Jährlich fallen in der EU rund 5,7 Millionen Altfahrzeuge an, die zwischen 8 und 9 Millionen Tonnen Abfall verursachen. Nach Angaben der EU-Kommission „verschwinden“ dabei jedes Jahr 3 bis 4 Millionen Fahrzeuge, deren Verbleib den Behörden nicht gemeldet wird. Vor diesem Hintergrund gewinnen herstellereigene Verwertungsstrukturen an Bedeutung – sowohl aus regulatorischer als auch aus rohstoffstrategischer Perspektive.

320°/re

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