Nach Rückzug von ACC
ACC wollte in Kaiserslautern ein Batteriezellenwerk bauen. Doch das Konsortium aus Stellantis, Mercedes-Benz und TotalEnergies hält das Projekt für wirtschaftlich nicht mehr tragfähig. Nun wird nach Investoren jenseits der Automobilbranche gesucht.
Batteriewerk Kaiserslautern: Die Suche nach Plan B
Trotz des wahrscheinlichen Rückzugs des Unternehmens ACC beim geplanten Batteriezellenwerk in Kaiserslautern halten Politik und Wirtschaft in Rheinland-Pfalz an dem Vorhaben fest. Sowohl die Landesregierung als auch die Wirtschaftsvertreter betonten die strategische Relevanz einer Batteriezellfertigung am Standort Kaiserslautern und sprachen sich dafür aus, bei der Suche nach anderen Investoren auch über die Automobilbranche hinauszuschauen.
„Es geht um Batteriezellen als Querschnittstechnologie“, sagte der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Alexander Schweitzer (SPD), der zu einem runden Tisch in die Staatskanzlei in Mainz geladen hatte. Mit dabei waren Vertreter der Landespolitik, von Gewerkschaften, von Unternehmerverbänden und des Gemeinschaftsunternehmens Automotive Cell Company (ACC).
1,3 Milliarden Euro Fördergeld zugesagt
Hinter ACC stehen die Konzerne Stellantis, Mercedes-Benz und Total Energies. ACC wollte das Batteriezellwerk am Standort der Stellantis-Tochter Opel in Kaiserslautern bauen. Deutschland und Frankreich hatten Fördermittel in Höhe von 1,3 Milliarden Euro zugesagt, rund 2.000 Arbeitsplätze sollten entstehen. Allein das deutsche Werk sollte mit Steuergeld in Höhe von rund 437 Millionen Euro unterstützt werden.
Anfang Februar hieß es dann in einer ACC-Stellungnahme, dass sich die bereits 2024 auf Eis gelegten Standorte in Deutschland und Italien nicht mehr rechneten. Hintergrund ist unter anderem die anhaltend schwache Nachfrage nach Elektroautos in Europa.
Karsten Tacke, der Hauptgeschäftsführer der Landesvereinigung der Unternehmerverbände Rheinland-Pfalz, sagte nach dem runden Tisch in Mainz, wenn ACC glaube, dass sich das Projekt derzeit nicht trage, müsse nach neuen Partnern Ausschau gehalten werden. Es gebe zahlreiche Verwendungszwecke für Batteriezellen auch außerhalb der Automobilbranche, etwa in der Rüstungsindustrie oder bei der Energiespeicherung.
Schweitzer fordert Runden Tisch auf Bundesebene
Ähnlich klang das bei Schweitzer. Batteriezellen würden auch in kritischer Infrastruktur oder für Wehrtechnik benötigt, sagte der SPD-Politiker. „Wenn Sie sich anschauen, dass wir Drohnen haben, die uns in Deutschland schützen sollen, die auf chinesischer Technologie laufen, dann weiß man doch, was jetzt die Uhr geschlagen hat“, sagte der Ministerpräsident. „Wenn wir jetzt den Zug verpassen, werden wir das in vielen Jahren in Deutschland bereuen.“
Es gehe um eine Grundsatzentscheidung für Deutschland, sagte Schweitzer weiter. Daher müsse die Bundesregierung zu einem runden Tisch auf Bundesebene einladen. Falls ein Unternehmen von Bord gehe, müsse sich die Bundesregierung auf den Weg machen und womöglich ein neues finden.
Die Oberbürgermeisterin von Kaiserslautern, Beate Kimmel (SPD), nannte den Austausch in Mainz einen großen Gewinn. Sie habe die Hoffnung auf das Batteriezellwerk noch nicht aufgegeben, sagte Kimmel und ergänzte: „Wir müssen aber auch einen Plan B andenken.“
