Klimawandel
Zwei Klimaforscher haben aus globalen Temperaturdaten die Effekte von El Niño, Vulkanismus und Sonnenzyklen herausgerechnet. Übrig bleibt ein beunruhigender Befund: Die Erderwärmung hat sich seit 2015 nahezu verdoppelt.
Neue Studie belegt: Die Erde erwärmt sich immer schneller
Dass sich die Erde erwärmt, ist wissenschaftlich seit Jahrzehnten unstrittig. Wie schnell dieser Prozess jedoch voranschreitet, ließ sich bislang schwer bestimmen, da natürliche Schwankungen durch El Niño, Vulkanismus und Sonnenzyklen das langfristige Signal überlagern. Eine neue Studie im Fachjournal „Geophysical Research Letters“ liefert nun den statistischen Nachweis: Seit etwa 2015 hat sich das Tempo der Erderwärmung deutlich erhöht – von durchschnittlich 0,2 auf 0,35 Grad Celsius pro Jahrzehnt.
Veröffentlicht wurde die Untersuchung von dem US-amerikanischen Statistiker Grant Foster und Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK). Die beiden Autoren haben die globale Temperaturentwicklung seit Beginn der instrumentellen Aufzeichnungen einer neuen Analyse unterzogen, mit Schwerpunkt auf der Phase ab den 1970er-Jahren. Gerade die Jahre 2023 und vor allem 2024 markierten neue Höchstwerte in den globalen Messreihen – doch ob sich hinter diesen Rekorden eine tatsächliche Beschleunigung verbirgt, war bislang statistisch nicht eindeutig geklärt.
Erwärmungsrate hat sich fast verdoppelt
Um diese Frage zu beantworten, haben Foster und Rahmstorf Einflüsse herausgerechnet, die das Temperatursignal kurzfristig überlagern: den Vulkanismus, die Schwankungen der Sonnenaktivität und das Klimaphänomen El Niño. Die Methode baut auf einem früheren Ansatz der beiden Autoren aus dem Jahr 2011 auf, der bereits damals eine klarere Sicht auf den zugrunde liegenden Erwärmungstrend ermöglichte. Für die aktuelle Studie werteten sie fünf große globale Temperaturdatensätze aus – darunter die Reihen von NASA, NOAA, Berkeley Earth und ERA5.
Das Ergebnis ist laut den Wissenschaftlern eindeutig: In der Dekade ab 2015 lag die durchschnittliche Erderwärmung bei 0,35 °C pro Jahrzehnt. Zwischen 1970 und 2015 betrug dieser Wert im Mittel noch 0,2 Grad pro Jahrzehnt. Die Erwärmungsrate hat sich damit nahezu verdoppelt.
„Wir können nun erstmals eine starke und statistisch signifikante Beschleunigung der Erderwärmung nach 2015 belegen“, betont Co-Autor Foster. „Entscheidend ist, dass wir aus den Messdaten bekannte, natürliche Schwankungen herausrechnen, sodass das zufällige ‚Rauschen‘ geringer wird und daher das langfristige Erwärmungssignal klarer hervortritt.“

Auf die Ursachen der Beschleunigung geht die Studie von Foster und Rahmstorf nicht ein. Im Pariser Klimaabkommen hatten sich die Vertragsstaaten 2015 darauf geeinigt, die Erderwärmung möglichst auf 1,5 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen. Wenn sich der ermittelte Trend fortsetzt, wird diese Schwelle der Studie zufolge voraussichtlich 2028 oder 2029 überschritten.
„Wie schnell sich die Erde weiter erwärmt, hängt letztlich davon ab, wie rasch wir die globalen CO2-Emissionen aus fossilen Energien auf null reduzieren“, sagt Rahmstorf. Das Jahr 2024 war laut einem Report des Klimawandeldienstes des EU-Programms Copernicus das erste seit Messbeginn, das weltweit im Schnitt um mehr als 1,5 Grad wärmer war als im vorindustriellen Mittel.
Dies bedeutet aber noch nicht, dass die im Pariser Abkommen festgelegte Grenze bereits überschritten wurde. Die Angabe im Pariser Abkommen gilt nicht für einzelne Jahre, sondern betrachtet einen längeren Zeitraum. Meist werde ein 20-jähriges Mittel für den Wert im Abkommen angenommen, erklärt Rahmstorf. „Wenn wir sagen, er wird 2029 überschritten bedeutet dies daher, der Mittelwert 2019 bis 2039 liegt über 1,5 Grad.“