Wirtschaft in Sachsen
Während Großunternehmen bereits konkrete Dekarbonisierungsfahrpläne verfolgen, fehlt vielen Mittelständlern die Orientierung. Das zeigt sich auch in Sachsen. Eine neue Studie hat für 19 Branchen die verfügbaren Dekarbonisierungstechnologien analysiert.
Dekarbonisierung: Studie zeigt Defizite bei kleineren Unternehmen
In der sächsischen Papierindustrie laufen die Öfen rund um die Uhr. Allein diese Branche verbraucht jährlich rund 2,2 Terawattstunden Endenergie – mehr als jeder andere Wirtschaftszweig im Freistaat. Doch wie der Umstieg von Erdgas und Öl auf klimaneutrale Alternativen konkret aussehen soll, ist für viele Betriebe noch unklar. Eine neue Studie zeigt nun, wie weit die Dekarbonisierung in der sächsischen Wirtschaft tatsächlich fortgeschritten ist – und wo die größten Hürden liegen.
Die Untersuchung mit dem Titel „Dekarbonisierungsoptionen für die sächsische Wirtschaft“ wurde von der Forschungsstelle für Energiewirtschaft (FfE) in München erstellt. Auftraggeber war das sächsische Wirtschaftsministerium.
In der Studie wurden 19 Wirtschaftszweige sowie Teile des Handwerks analysiert. Zusammen verbrauchen die untersuchten Branchen in Sachsen rund 15,5 Terawattstunden (TWh) Endenergie pro Jahr. Davon sind etwa 42 Prozent bereits elektrifiziert. Der Anteil erneuerbarer Energien am Bruttostromverbrauch liegt im Freistaat derzeit bei rund 28 Prozent. Zum Vergleich: Deutschlandweit lag der Anteil erneuerbarer Energien am Bruttostromverbrauch zuletzt bei rund 55 Prozent.
Branchensteckbriefe als Orientierungshilfe
Die Studie sieht drei Strategien als zentrale Hebel für die Dekarbonisierung: Effizienzmaßnahmen, Elektrifizierung von Prozesswärme sowie den Wechsel zu erneuerbaren Brennstoffen wie Biogas oder grünem Wasserstoff. Während große, energieintensive Industrien bereits konkrete Dekarbonisierungsfahrpläne verfolgen, bestehen im Mittelstand noch erhebliche Unsicherheiten – etwa bei der Wahl geeigneter Technologien, bei Investitionsentscheidungen oder bei der Frage, welche Rolle Strom, Wasserstoff und Effizienzmaßnahmen jeweils spielen sollen.
Zur Studie gehören auch Branchensteckbriefe, die für einzelne Wirtschaftszweige die verfügbaren Dekarbonisierungstechnologien, deren technische Reife sowie die erwartbaren wirtschaftlichen Auswirkungen beschreiben. Abgedeckt werden unter anderem die Branchen Glas, Keramik, Papier, Chemie und Pharma sowie der Maschinenbau und die Lebensmittelindustrie. Auch für Handwerksberufe wie Bäcker, Fleischer und Textilreiniger liegen entsprechende Übersichten vor.
„Entscheidend für die Umsetzbarkeit von Dekarbonisierungstechnologien ist die vorgelagerte Energieinfrastruktur“, sagte Sachsens Wirtschaftsminister Dirk Panter (SPD) bei der Vorstellung des Berichts. Wichtig seien zuverlässige Netzanschlüsse sowie der Zugang zu bezahlbaren grünen Energieträgern.
Panter verwies zudem auf die wirtschaftliche Dimension des Umbaus: „Der klimabewusste Umbau unserer Wirtschaft ist längst kein Zukunftsthema mehr, sondern findet bereits statt“, sagte der Minister. Gerade für den Mittelstand liege darin eine große Chance. Wer jetzt handele, sichere Wettbewerbsfähigkeit, Wohlstand und Arbeitsplätze.
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