Battery.Sort-Anlage

Bei Korn Recycling löste das Brandwarnsystem früher mehrmals täglich Alarm aus – heute nur noch einmal in zwei Wochen. Grund ist ein KI-gestütztes Röntgensystem. Dafür liegen jetzt erste Betriebszahlen vor.

Weniger Batteriebrände: So wirkt die KI bei Korn Recycling


Als die Korn Recycling GmbH im März 2025 erstmals ihr neues KI-gestütztes Röntgensystem unter realen Bedingungen testete, machte das System ein Mengenproblem sichtbar, das in der Recyclingbranche seit Jahren bekannt ist. Innerhalb von drei Stunden erkannte das System des Würzburger Start-ups WeSort.AI 28,5 Kilogramm Lithium-Ionen-Akkus und Elektroschrott aus 81 Tonnen Abfallinput.

Heute, gut ein Jahr später, läuft das System bei Korn Recycling im Regelbetrieb. Der Entsorger betreibt Abfallsortieranlagen mit einer genehmigten Inputmenge von 100.000 Tonnen jährlich. Inzwischen entferne das KI-basierte System durchschnittlich neun bis elf Kilogramm Akkus und Batterien pro Stunde aus dem Materialstrom, berichtete Vertriebsleiter Jörg Schairer beim bvse-Digital-KI-Summit. Hochgerechnet bedeutet das: Rund 1,5 Tonnen Lithium-Ionen-Akkus, Batterien und Einweg-E-Zigaretten pro Monat gelangen nicht mehr in die Sortierung – Stoffe, die zuvor im Materialstrom verblieben und ein erhebliches Brandrisiko darstellten.

„Der Effekt auf die Betriebssicherheit in der Behandlung ist bereits deutlich sichtbar. Während früher mehrere Brandalarme pro Tag ausgelöst wurden, kommt es heute nur noch etwa einmal in zwei Wochen zu einer Meldung“, sagte Schairer.

Die rund 8,5 Meter lange und etwa acht Tonnen schwere Battery.Sort-Anlage kombiniert Röntgentransmissionstechnologie mit künstlicher Intelligenz und wird direkt nach dem Vorzerkleinerer in die Sortieranlage integriert. Laut Herstellerangaben erkennt das System Lithium-Ionen-Akkus, Haushaltsbatterien und Einweg-E-Zigaretten auch dann, wenn sie im Materialstrom überdeckt sind. Die identifizierten Objekte werden automatisch mit starken Luftdruckdüsen ausgeschleust und in feuerfesten Containern außerhalb der Anlage gesammelt – bevor sie durch mechanische Beanspruchung beschädigt werden und sich entzünden können.

Laut WeSort.AI kann das System Abfallschichten von bis zu 50 Zentimetern durchleuchten. Die Erkennungsgenauigkeit liege bei derzeit rund 80 Prozent und soll laut Hersteller mittelfristig auf 95 Prozent steigen. Zuletzt hat das Start-up eine Finanzierungsrunde über zehn Millionen Euro abgeschlossen, um die KI-basierte Sortiertechnologie weiter zu skalieren. Auch der Entsorger PreZero, Teil der Schwarz-Gruppe, rüstet Standorte mit dem Battery.Sort-System nach.

bvse fordert weiterhin Pfandlösung

Der bvse sieht in den Betriebsdaten von Korn Recycling eine neue Argumentationsgrundlage für die politische Auseinandersetzung um Maßnahmen gegen Batteriebrände. Das System liefere erstmals belastbare Zahlen zur Menge falsch entsorgter Batterien im Abfallstrom, sagte Hauptgeschäftsführer Eric Rehbock. Der Verband will diese Zahlen unter anderem am Runden Tisch mit Bundesumweltministerium, Versicherungswirtschaft und Herstellern einbringen.

Gleichzeitig warnte Rehbock davor, technische Lösungen als alleinige Antwort zu verstehen. „Es darf nicht der Eindruck entstehen: Jetzt baut ihr alle solche Anlagen ein und dann ist das Thema erledigt.“ Moderne Detektionssysteme allein könnten das Problem nicht lösen, da Brände häufig bereits bei Sammlung oder Lagerung entstünden.

Der bvse fordert deshalb weiter eine Pfandlösung für Elektro- und Elektronikgeräte mit Lithium-Akkus. „Das Thema Pfand wird trotz aller Widerstände in der Diskussion mit uns nicht unter den Tisch fallen“, sagte Rehbock. Neben einem Pfandsystem fordern Entsorgerverbände auch eine herstellerfinanzierte Fondslösung zur Absicherung der Recycling- und Entsorgungswirtschaft im Brandfall sowie ein Verbot von Einweg-E-Zigaretten – wie es etwa Frankreich und Belgien bereits umgesetzt haben.

Korn Recycling will unterdessen seine Erfahrungen mit anderen Branchenvertretern teilen. „Unser Ziel ist keine Exklusivität, sondern die Sicherheit der gesamten Branche zu erhöhen“, erklärte Schairer. Das Unternehmen bietet anderen Entsorgern an, die Anlage in Albstadt zu besichtigen.

320°/re

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