Umwelttechnologien

314 Milliarden Euro Bruttowertschöpfung, knapp fünf Prozent Wachstum pro Jahr: Die GreenTech-Bilanz fällt stark aus. Doch eine aktuelle Forsa-Umfrage zeigt: Nur elf Prozent der Befragten sehen Deutschland bei grünen Technologien in einer Führungsrolle.

GreenTech-Förderung: 69 Prozent wollen mehr vom Staat


Als das Bundesumweltministerium und das Umweltbundesamt im vergangenen Sommer den GreenTech Atlas 2025 vorstellten, sprachen die Zahlen für sich: 314 Milliarden Euro Bruttowertschöpfung im Jahr 2023, ein durchschnittliches jährliches Wachstum von knapp fünf Prozent seit 2010, rund 3,4 Millionen Erwerbstätige. Die GreenTech-Branche, so das Fazit, wachse schneller als die Gesamtwirtschaft und habe sich zu einem relevanten Faktor im deutschen Außenhandel entwickelt.

Wenige Monate später liefert eine neue Forsa-Erhebung im Auftrag der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) ein ergänzendes Stimmungsbild aus der Bevölkerung. Die Ergebnisse zeigen, dass die ökonomische Bedeutung grüner Technologien zwar breit anerkannt wird – das Tempo der Entwicklung aus Sicht der Befragten jedoch nicht ausreicht.

Bedeutung anerkannt, Fortschritt bezweifelt

80 Prozent der insgesamt 1.006 Befragten sind demnach überzeugt, dass Herstellung und Export umweltfreundlicher Technologien wichtige Säulen für Deutschlands wirtschaftliche Zukunft sind. Die Zustimmung zieht sich durch alle Altersgruppen und politischen Lager.

Zugleich fällt das Urteil über den Fortschritt Deutschlands in Feldern wie erneuerbare Energie, Energieeffizienz, Recycling und Wasserstoff zurückhaltend aus. Fast zwei Drittel der Befragten – 60 Prozent – bewerten die Position des Landes im globalen Maßstab als durchschnittlich. Fast ein Viertel, 24 Prozent, stuft Deutschland sogar als rückständig ein. Lediglich elf Prozent sehen das Land in einer Führungsrolle.

International verschiebt sich das Kräfteverhältnis tatsächlich. Laut GreenTech Atlas 2025 hat China seine GreenTech-Patentanmeldungen seit 2010 versechsfacht. Die zehn wichtigsten europäischen Länder halten zwar mit rund 40 Prozent der weltweiten GreenTech-Patente noch die stärkste Position, doch der Vorsprung schmilzt.

Ruf nach stärkerer staatlicher Förderung

Eine deutliche Mehrheit der Befragten leitet aus dieser Einschätzung konkrete Erwartungen an die Politik ab. 69 Prozent halten eine etwas oder deutlich stärkere staatliche Förderung von Umwelttechnologien für notwendig. 16 Prozent sind mit dem gegenwärtigen Förderniveau zufrieden. Lediglich ein Zehntel meint, es werde zu viel gefördert.

Bei der Frage, wo die Förderung ansetzen sollte, nennen jeweils 65 Prozent derjenigen, die sich für mehr staatliches Engagement aussprechen, zwei Bereiche: Forschung und Entwicklung sowie Kreislaufwirtschaft.

Grafik: picture alliance/dpa-Infografik

Über die GreenTech-Branche hinaus dokumentiert die Umfrage ein grundsätzliches Vertrauen in technologische Innovationen. 93 Prozent der Befragten halten technologische Neuerungen für die Zukunft des Landes für sehr oder eher wichtig.

Zu den drei Bereichen, für die die meisten Innovationen gewünscht werden, gehören Bildung und Digitalisierung mit 61 Prozent, Gesundheit und Pflege mit 60 Prozent sowie eine umweltfreundliche Energieversorgung mit 49 Prozent. Die Nennung des Gesundheitssektors kommentiert DBU-Generalsekretär Alexander Bonde mit einem Hinweis auf die ökologische Dimension: „Der Gesundheitssektor mit rasantem Rohstoff- und Ressourcenverbrauch, täglich tonnenweise Abfall und hohen Treibhausgasemissionen bietet tatsächlich enormes Potenzial, um mit Innovationen Umwelt und Klima besser zu schützen.“

Trotz der kritischen Einschätzung der Befragten verweist DBU-Generalsekretär Bonde auf die ökonomische Bilanz der GreenTech-Branche. Seit 2010 habe der Sektor die Bruttowertschöpfung in Deutschland jedes Jahr um rund fünf Prozent gesteigert und stelle mehr als acht Prozent der Exporte sicher. „Diesen Trumpf dürfen wir nicht verspielen. Mit innovativem Umweltschutz lässt sich Geld verdienen.“

Der GreenTech-Atlas 2025 untermauert diese Einschätzung mit Prognosen: Potenzialabschätzungen zufolge könnte die Bruttowertschöpfung der deutschen GreenTech-Branche bis 2045 auf über 620 Milliarden Euro anwachsen – vorausgesetzt, Klimaziele und Kreislaufwirtschaft werden konsequent verfolgt.

320°/hk

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