Geplante Übernahme

Salzgitter will die HKM-Übernahme bis Ende Mai abschließen und die beiden Hochöfen in Duisburg stilllegen. Der Konzern setzt künftig auf grünen Stahl.

Grüner Stahl bei HKM: Salzgitter sieht sich im Zeitplan


Der Stahlkonzern Salzgitter steht kurz vor der vollständigen Übernahme der Hüttenwerke Krupp Mannesmann (HKM) in Duisburg. Bis Ende Mai soll der Kauf abgeschlossen sein, erklärte Salzgitter-Chef Gunnar Groebler bei der Vorlage der Jahresbilanz 2025. Ein Sanierungsgutachten stehe noch aus, befinde sich aber in Arbeit; ebenso die kartellrechtliche Freigabe.

„Ziel ist, dass wir zum Sommer dieses Jahres die HKM vollständig übernehmen“, sagte Groebler. „Wirtschaftlich ist es für uns attraktiv.“

Umbau in drei Jahren

HKM gehört derzeit drei Gesellschaftern: Thyssenkrupp Steel hält 50 Prozent, Salzgitter 30 Prozent und der französische Röhrenhersteller Vallourec 20 Prozent. HKM beschäftigt rund 3.000 Menschen und produziert an seinem Standort im Duisburger Süden mit zwei Hochöfen Stahl-Vorprodukte – vorwiegend Brammen – für seine Eigentümer. Die jährliche Produktionskapazität liegt bei rund 4,2 Millionen Tonnen Rohstahl.

Angesichts der angespannten Lage auf dem Stahlmarkt erwägen Thyssenkrupp und Vallourec schon seit Längerem, sich aus ihrem Gemeinschaftsunternehmen zurückzuziehen. Anfang Februar hatten sich Thyssenkrupp Steel und Salzgitter auf Eckpunkte verständigt, wie der Ausstieg vollzogen werden kann. Vallourec hatte sich damals bereits zustimmend geäußert. Die Vereinbarung sieht vor, dass Thyssenkrupp Steel seine HKM-Gesellschaftsanteile zum 1. Juni 2026 an Salzgitter verkauft.

Salzgitters Ziel ist es, HKM innerhalb von drei Jahren grundlegend umzubauen. Die beiden Hochöfen sollen stillgelegt und durch einen Elektrolichtbogenofen ersetzt werden. Dieser soll eine Jahreskapazität von zwei bis 2,5 Millionen Tonnen grünem Stahl erreichen. Die Belegschaft soll von bisher 3.000 auf rund 1.000 Beschäftigte schrumpfen.

„Der Zeitplan ist ambitioniert, das wissen wir“, sagte Groebler. Grund dafür sei vor allem die bereits bewilligte Förderung für den Umstieg auf Grünstahl, die einen Zeitraum von drei Jahren vorsehe. „Wir werden erste Schritte der Transformation in diesem Jahr auf jeden Fall noch sehen.“

Vorprodukte für die Rüstungsindustrie

Der Elektrolichtbogenofen kommt ohne fossile Reduktionsmittel wie Koks aus. Stattdessen werden Stahlschrott und direktreduziertes Eisen mit erneuerbarem Strom eingeschmolzen. Das Verfahren ist deutlich weniger CO2-intensiv als die konventionelle Hochofenroute. Salzgitter treibt am eigenen Stammsitz parallel das Transformationsprogramm SALCOS (Salzgitter Low CO₂ Steelmaking) voran, das mit öffentlichen Fördermitteln in Höhe von insgesamt rund 1,32 Milliarden Euro ausgestattet ist. Im Rahmen dieses Programms entsteht dort eine Direktreduktionsanlage mit einer Kapazität von gut zwei Millionen Tonnen direktreduziertem Eisen (DRI), aus denen jährlich rund 1,9 Millionen Tonnen Rohstahl erzeugt werden sollen. Die Inbetriebnahme ist für das erste Halbjahr 2027 geplant.

Langfristig sieht Groebler für HKM eine tragfähige Zukunft. Das Unternehmen liefert Vorprodukte für die Rüstungsindustrie, deren Auftragslage aktuell deutlich anzieht. Zudem solle HKM nach dem Umbau das Produktportfolio erweitern und Vorprodukte ins Sortiment nehmen, die bisher aus Russland bezogen wurden. Das stärke den europäischen Binnenmarkt und fülle die Lücke, die durch die Sanktionen gegen Russland entstanden sei.

Die HKM-Übernahme findet vor dem Hintergrund einer angespannten Ertragslage bei Salzgitter statt. Der Außenumsatz des Konzerns sank 2025 von 10,01 Milliarden Euro auf 8,98 Milliarden Euro. Vor Steuern lag das Ergebnis bei minus 28 Millionen Euro, nach einem Vorsteuerverlust von 296 Millionen Euro im Vorjahr. Die Nettofinanzschulden stiegen auf 954 Millionen Euro, bedingt vor allem durch die hohen Investitionen in das SALCOS-Programm.

Für 2026 peilt Salzgitter einen Vorsteuergewinn zwischen 75 und 175 Millionen Euro an. Die HKM-Übernahme ist in dieser Prognose noch nicht berücksichtigt.

320°/dpa/re

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