Klimafreundliches Bauen
Im September 2022 wurde das erste Gebäude aus Carbonbeton eröffnet. Dreieinhalb Jahre später soll die Technologie in die Fabrik: In Leipzig soll die erste vollautomatisierte Fertigungsstrecke für Carbonbeton-Bauteile entstehen.
C-Factory: Carbonbeton soll industriell werden
Im Carbonbetonhaus CUBE auf dem Dresdner TU-Campus fiel am Montag der Startschuss für die „C-Factory“. Das erklärte Ziel des Verbundvorhabens: den Carbonbetonbau erstmals in die industrielle Serienfertigung zu bringen. In Leipzig entsteht dafür in den kommenden vier Jahren eine vollautomatisierte Fertigungsstrecke für CO2-speichernde Carbonbeton-Bauteile – nach Angaben des Konsortiums die weltweit erste.
Der Veranstaltungsort war nicht zufällig gewählt. Das 220 Quadratmeter große Gebäude wurde im September 2022 als weltweit erstes aus Carbonbeton errichtetes Gebäude eröffnet. Seitdem dient der CUBE als Experimentalbau, in dem die Langzeittauglichkeit von Carbonbeton unter realen Bedingungen erforscht wird.
Weniger Zement, Kies und Sand
Koordiniert wird die C-Factory von der Kahnt & Tietze GmbH aus Leipzig. Das 2014 gegründete Architekturbüro entwickelt Verfahren, um neue Bautechnologien in die bauliche Praxis zu bringen, und war bereits am Bau des CUBE beteiligt. Zum Projektkonsortium gehören neben dem Betonwerk Oschatz und Schwenk Zement auch Prilhofer Consulting, ABS Storkow, das Forschungs- und Transferzentrum Leipzig der HTWK sowie die TU Dresden.
Hinter dem Vorhaben steht ein branchenweites Problem. Die Herstellung, Errichtung, Modernisierung und der Betrieb von Wohn- und Nichtwohngebäuden verursachen in Deutschland 40 Prozent der Treibhausgasemissionen. Einen erheblichen Anteil daran hat Zement, das zentrale Bindemittel im Beton. Die Zementherstellung allein verantwortet rund sieben bis acht Prozent der globalen CO₂-Emissionen. Rund zwei Drittel dieser Emissionen entstehen prozessbedingt bei der Kalzinierung von Kalkstein und lassen sich mit heutigen Verfahren kaum vermeiden.
Der Ansatz von Carbonbeton ist ein anderer: Nicht die Produktion von Zement soll sich ändern, sondern die benötigte Menge. Das Prinzip: Anstelle von Stahl übernehmen Gitter und Stäbe aus Kohlenstofffasern die Bewehrung. Da Carbon nicht korrodiert, entfällt die bei Stahlbeton notwendige dicke Betonüberdeckung zum Korrosionsschutz. Die Bauteile werden schlanker, leichter und dauerhafter. Die benötigten Mengen an Zement, Kies und Sand sinken nach Angaben des Konsortiums um bis zu 80 Prozent.
Auch die Lebensdauer der Bauwerke verlängert sich: Während Stahlbetongebäude auf rund 80 Jahre ausgelegt sind, schätzt der Dresdner Carbonbeton-Experte Professor Manfred Curbach die mögliche Lebensdauer von Carbonbetonbauwerken auf bis zu 200 Jahre.
Die C-Factory zielt darüber hinaus auf eine kohlenstoffnegative Bauweise. Durch die Kombination mit CO2-mineralisierten Zuschlägen und zusätzlichen CO2-speichernden Materialien sollen die Bauteile künftig nicht nur weniger Emissionen verursachen, sondern selbst als Kohlenstoffspeicher fungieren.
Der Plan ist es, die Pilotanlage in Leipzig in den kommenden vier Jahren aufzubauen, in Betrieb zu nehmen und mit verschiedenen Demonstrationsbauteilen zu testen. „Wir bringen eine Technologie, die bisher vor allem in Forschung und Pilotprojekten existiert hat, in die industrielle Realität“, sagt Matthias Tietze, Geschäftsführer der Kahnt & Tietze GmbH. „Mit der C-Factory schaffen wir die Grundlage für die wirtschaftliche und skalierbare Umsetzung von Bauwerken.“
Das Bundeswirtschaftsministerium fördert das Vorhaben im Rahmen der Bundesförderung Industrie und Klimaschutz (BIK) mit rund 14 Millionen Euro. Die Laufzeit reicht bis Ende 2029.

