Joint Venture

Im Pkw-Segment ist die Brennstoffzelle bislang ein Nischenprodukt geblieben. Im Schwerlastverkehr sehen Daimler Truck, Volvo und Toyota mehr Potenzial. Sie wollen die Technologie künftig gemeinsam entwickeln.

Brennstoffzellen für Lkw: Toyota steigt bei Cellcentric ein


Das Brennstoffzellen-Joint-Venture Cellcentric bekommt einen neuen Gesellschafter. Toyota will als gleichberechtigter dritter Anteilseigner neben Daimler Truck und der Volvo Group in das Gemeinschaftsunternehmen eintreten – eine entsprechende Absichtserklärung haben die drei Konzerne Ende März unterzeichnet. Verbindlich ist die Vereinbarung bislang nicht. Dennoch hat sie Gewicht: Denn damit würden drei der weltweit größten Nutzfahrzeug- und Brennstoffzellenakteure erstmals in einem gemeinsamen Unternehmen zusammenarbeiten.

Cellcentric wurde im März 2021 als paritätisches Gemeinschaftsunternehmen von Daimler Truck und der Volvo Group gegründet. Seitdem entwickelt das Unternehmen an Standorten in Kirchheim/Teck, Esslingen, Stuttgart und dem kanadischen Burnaby Brennstoffzellensysteme für schwere Nutzfahrzeuge. Aktuell beschäftigt Cellcentric mehr als 560 Mitarbeiter und hält rund 700 Einzelpatente.

Toyota soll als dritter, gleichberechtigter Anteilseigner in das Unternehmen eintreten. Geplant ist eine Kapitalerhöhung, über die der japanische Konzern seinen Anteil erwirbt. Alle drei Partner sollen künftig je ein Drittel halten. Cellcentric soll dabei als eigenständiges und unabhängiges Unternehmen weiterarbeiten und seine Brennstoffzellensysteme auch Drittherstellern anbieten.

Zu wenig Wasserstofftankstellen

Strategisch bündelt die Allianz zwei der größten Nutzfahrzeughersteller mit einem der erfahrensten Brennstoffzellenentwickler. Toyota begann bereits 1992 mit der Entwicklung wasserstoffbetriebener Fahrzeuge und brachte 2014 mit dem Modell Mirai das erste in Serie produzierte Brennstoffzellenfahrzeug auf den Markt.

Der Mirai steht allerdings zugleich für die Schwierigkeiten der Technologie im Pkw-Segment. Die Absatzzahlen blieben überschaubar – 2024 wurden weltweit nur noch knapp 1.800 Mirai verkauft. Der globale Markt für Brennstoffzellenfahrzeuge schrumpfte laut dem Marktforschungsunternehmen SNE Research im selben Jahr auf weniger als 13.000 Fahrzeuge. Als wesentliche Ursache gilt die stagnierende Tankstelleninfrastruktur.

Die Erfahrung aus dem Pkw-Geschäft ist dennoch relevant. Toyota bringt Erfahrung aus der Entwicklungsarbeit an Brennstoffzellenstacks, Wasserstoffspeichern und Steuerungselektronik in die Partnerschaft ein. Dieses Know-how soll nun im Nutzfahrzeugsegment zur Anwendung kommen – dort, wo die wirtschaftlichen und infrastrukturellen Voraussetzungen für Wasserstoff grundsätzlich günstiger liegen.

Denn anders als im Pkw-Segment lässt sich der Wasserstoffbedarf im Schwerlastverkehr räumlich eingrenzen – auf wiederkehrende Routen und zentrale Umschlagpunkte. Der Infrastrukturaufbau lässt sich dadurch gezielter steuern. Für Langstrecken-Lkw mit hoher Zuladung gilt die Brennstoffzelle vielen Branchenakteuren als sinnvolle Ergänzung zum batterieelektrischen Antrieb.

Dennoch bleibt die Wasserstoffinfrastruktur ein begrenzender Faktor. In Deutschland waren zuletzt nur noch rund 50 Wasserstofftankstellen in Betrieb. Für eine Versorgung im Schwerlastverkehr wäre ein erheblicher Ausbau erforderlich.

Skalierung als wirtschaftliche Kernfrage

Die zentrale Herausforderung für die Brennstoffzellentechnologie liegt in der wirtschaftlichen Skalierung. Brennstoffzellensysteme sind in der Herstellung aufwendig, die Stückkosten bei geringen Produktionsvolumen entsprechend hoch. Die erforderlichen Investitionen übersteigen das, was einzelne Hersteller allein zu tragen bereit sind.

Hier dürfte die Logik der Dreierkonstellation ansetzen. Durch die Bündelung komplementärer Kompetenzen – Nutzfahrzeugexpertise auf der einen, Brennstoffzellenentwicklung und Fertigungstechnologie auf der anderen Seite – könnten die Stückkosten sinken und die Systeme schneller zur Serienreife gelangen.

320°/re

Mehr zum Thema