Neue Tankstellenregel

Diesel hat in Deutschland einen neuen Preisrekord erreicht – ausgerechnet am ersten Tag der neuen Tankstellenregeln, die Preissprünge eigentlich eindämmen sollten. Am Donnerstag stiegen die Preise erneut.

Spritpreis steigt trotz Preisbremse – Diesel auf Rekordhoch


Trotz der neuen Tankstellenregeln, die die Bundesregierung im Eilverfahren beschlossen hatte, ist Diesel in Deutschland so teuer wie nie. Im bundesweiten Tagesdurchschnitt kostete ein Liter am Mittwoch 2,327 Euro und übertraf damit den bisherigen Rekord aus dem März 2022 um 0,6 Cent, wie aus Daten des ADAC hervorgeht. Auch Superbenzin E10 verteuerte sich weiter auf einen neuen Jahreshöchststand von 2,129 Euro je Liter.

Nach der neuen Tankregel, die am Mittwoch in Kraft getreten ist, dürfen die Spritpreise an den Tankstellen nur noch einmal täglich um 12 Uhr mittags erhöht werden. An vielen Tankstellen geschah am Mittwochmittag genau das.

Dass die Regelung die Preisentwicklung bislang nicht bremst, zeigte sich auch am Folgetag. Am Donnerstagmittag sprangen die Preise laut ADAC bundesweit ein weiteres Mal in die Höhe: von durchschnittlich 2,297 Euro pro Liter Diesel um 11.45 Uhr auf Höchstwerte von 2,415 Euro um 12.15 Uhr. Super E10 verteuerte sich innerhalb dieser halben Stunde laut ADAC von 2,10 auf bis zu 2,198 Euro.

Der ADAC kritisiert die Preiserhöhungen, da der Rohölpreis zwischen 31. März und dem 1. April gesunken sei. „Die Sorge des ADAC scheint sich zu bestätigen, dass Mineralölkonzerne im Zweifel einen Risikoaufschlag machen, weil sie Kraftstoffpreise nur noch einmal täglich erhöhen können“, sagte ein Vertreter des Autoclubs in München. Die Neuregelung reduziere das hohe Preisniveau offenbar eher nicht. „Nach Überzeugung des ADAC ist es nun Aufgabe des Bundeskartellamtes, Mineralölkonzerne zur Mäßigung zu bewegen.“

Ökonomen warnen vor Rezession

Gemessen an der Kaufkraft relativiert sich der Rekord allerdings: Inflationsbereinigt ist Diesel immer noch günstiger als vor vier Jahren. Entscheidender für die weitere Entwicklung ist jedoch die geopolitische Lage – und damit die Versorgung auf dem globalen Ölmarkt. Der weltweite tägliche Ölverbrauch liegt nach Zahlen der Internationalen Energieagentur bei etwas über 100 Millionen Barrel. Davon fallen nach Schätzung von Oxford Economics durch den Iran-Krieg täglich etwa zehn Millionen Fässer weg.

Zwar führt der Krieg auch dazu, dass die weltweite Nachfrage ein wenig sinkt. Doch sollten die Kampfhandlungen ein halbes Jahr andauern, könnte Öl im Spätsommer demnach so knapp werden, dass insbesondere Schwellenländer ihren Verbrauch rationieren müssten, schreiben die Ökonomen in einer Analyse. Für diesen Fall rechnet das Institut mit einer globalen Rezession. Das Münchner Ifo-Institut hatte schon vor drei Wochen gewarnt, dass die weltweiten strategischen Ölreserven begrenzt seien und innerhalb weniger Monate aufgebraucht sein könnten. 

320°/dpa/re

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