Abfallsortierung
Auch in Regionen mit gut ausgebauter Recyclinginfrastruktur landen verwertbare Materialien massenhaft im Restmüll. Eine Studie der Universität Hohenheim zeigt, welche Art der Kommunikation das Sortierverhalten tatsächlich verändert – mit überraschendem Ergebnis.
Mülltrennung: Einfacher Flyer senkt Fehlwürfe um 70 Prozent
3.791 Sortierfehler in einer einzigen Woche, verteilt auf 102 Stuttgarter Haushalte – mit diesem Befund startete eine Studie der Universität Hohenheim, deren Ergebnisse Mitte März 2026 im Fachjournal Journal of Environmental Management veröffentlicht wurden. Besonders häufig landeten verwertbare Materialien im Restmüll. Doch die Frage, wie sich das ändern lässt, beantwortet die Studie anders als erwartet: Nicht eine detaillierte Sortieranleitung verbessert das Trennverhalten der Haushalte, sondern die Erklärung, warum Mülltrennung überhaupt notwendig ist.
Statt der üblichen Sortieranleitung verwendete das Forschungsteam um die Hohenheimer Doktorandin Eva Pawelczyk einen Informationsflyer, der die konkreten Folgen falscher Mülltrennung darstellte – etwa dass Kunststoffrecycling den Energieverbrauch und den CO2-Ausstoß senkt oder dass getrennt erfasste Bioabfälle als Kompost nutzbar sind und Treibhausgasemissionen verringern.
Untersucht wurde der Abfall von 102 Stuttgarter Haushalten in zwei Erhebungszeiträumen von jeweils sieben Tagen. In der ersten Woche dokumentierte das Team das Sortierverhalten über die Fraktionen Restmüll, Bioabfall und Leichtverpackungen hinweg. Nach jeder Abfuhr sortierten die Forschenden den Inhalt im Labor nach und erfassten Fehlwürfe systematisch.
„Im ersten Erhebungszeitraum haben wir insgesamt 3.791 Sortierfehler dokumentiert“, erklärt Pawelczyk. „Besonders häufig traten Fehlwürfe im Restmüll auf. Das zeigt, dass es selbst in Regionen mit gut funktionierenden Recyclingstrukturen in vielen Haushalten Probleme mit der korrekten Mülltrennung gibt.“
Nach dieser Basiserhebung erhielt nur etwa die Hälfte der Haushalte den Informationsflyer. In der zweiten Erhebungswoche zeigte sich ein deutlicher Unterschied: In der Kontrollgruppe ohne Flyer blieb die Zahl der Sortierfehler nahezu unverändert. In der Interventionsgruppe sank sie dagegen von durchschnittlich 45,5 auf 13,8 Fehler pro Haushalt – ein Rückgang um rund 70 Prozent.
Für Pawelczyk ergibt sich daraus eine klare Empfehlung: „Schlüssel für eine bessere Mülltrennung ist, der Bevölkerung die direkten Vorteile für Gesellschaft und Umwelt vor Augen zu führen.“


