Energiesteuersenkung

Ab dem 1. Mai soll die Energiesteuer auf Benzin und Diesel für zwei Monate um rund 17 Cent pro Liter sinken. An der Zapfsäule dürfte die Entlastung aber nicht sofort ankommen – der Wirtschaftsverband Fuels und Energie warnt vor überzogenen Erwartungen.

Tankrabatt: Spritpreise sinken möglicherweise erst mit Verzögerung


Die schwarz-rote Koalition will die Energiesteuer auf Benzin und Diesel ab dem 1. Mai für zwei Monate um rund 17 Cent pro Liter senken. An der Zapfsäule dürfte davon zunächst wenig zu spüren sein – schuld ist die Steuersystematik. Darauf weist der Wirtschaftsverband Fuels und Energie in einer Stellungnahme hin, die heute im Finanzausschuss des Bundestags beraten wird.

Der Grund liegt im Zeitpunkt der Steuerentstehung: Die Energiesteuer fällt nicht erst beim Verkauf an der Zapfsäule an, sondern bereits dann, wenn Benzin und Diesel die Raffinerien oder großen Tanklager verlassen. Kraftstoffe, die am Stichtag 1. Mai bereits in den Tankstellentanks liegen, sind also noch zum alten, höheren Satz versteuert. „Die Tanks der Tankstellen werden am 1. Mai 2026 also in unterschiedlichem Umfang noch mit ‚normal versteuertem‘ Benzin und Diesel gefüllt sein“, heißt es in der Stellungnahme.

Kein Preissprung um Mitternacht

Auch der Gesetzentwurf selbst räumt ein, dass sich die Entlastung „verzögert und schleichend in den Verbrauchspreisen widerspiegeln“ könne. Verstärkt werden dürfte der Effekt durch das Verhalten der Autofahrer: In den Tagen vor der Senkung wird mit Kaufzurückhaltung gerechnet, sodass die alten Bestände länger in den Tanks bleiben. Erst wenn diese abverkauft und durch niedriger versteuerte Lieferungen ersetzt werden, kommt die Entlastung flächendeckend an.

Der gleiche Mechanismus wirkt am Ende der Rabattphase – nur umgekehrt. Am 30. Juni lagern in den Tankstellen noch niedrig versteuerte Kraftstoffe, die sich bereits zu höheren Preisen verkaufen lassen. Entscheidend für den Preis an der Säule ist ohnehin weniger, zu welchem Satz der Sprit im Tank versteuert wurde, sondern was die Konkurrenz nebenan verlangt. Der Verband betont, die Energiesteuer sei „eine wichtige Preiskomponente, aber bei Weitem nicht die einzige“.

Erfahrungen aus dem Jahr 2022

Ähnliche Bedenken hatte es bereits beim Tankrabatt von 2022 gegeben. Die ADAC-Daten aus dieser Phase zeichnen ein gemischtes Bild: Die bundesweiten Tagesdurchschnittspreise für E10 fielen zu Beginn binnen eines Tages um gut 27 Cent und stiegen am Ende um 23 Cent – bei einem steuerlichen Unterschied von rund 35 Cent. Bei Diesel lag der Sprung zu Beginn bei knapp 12 Cent nach unten und am Ende bei knapp 9 Cent nach oben, während die steuerliche Differenz rund 17 Cent betrug.

Die Preisbewegungen rund um die Stichtage waren also deutlich – aber in beiden Richtungen geringer, als die Steueränderung erwarten ließ.

320°/dpa/re

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