Retouren-System

Am 19. Juli greift das EU-Vernichtungsverbot für unverkaufte Kleidung. PreZero bringt einen bislang konzerninternen Service auf den Markt – und verspricht Herstellern garantierten Markenschutz.

Vernichtungsverbot: PreZero öffnet ReValue für externe Kunden


In knapp drei Monaten ändert sich für Markenhersteller in Europa eine zentrale Spielregel: Was nicht verkauft wird, darf nicht mehr einfach im Container landen. Am 19. Juli 2026 greift das Vernichtungsverbot der EU-Ökodesign-Verordnung, zunächst für Bekleidung, Bekleidungszubehör und Schuhe. Betroffen sind große Unternehmen – ab 250 Beschäftigten und 50 Millionen Euro Jahresumsatz beziehungsweise 43 Millionen Euro Bilanzsumme.

PreZero steigt in dieses Geschäft ein. Auf der IFAT in München stellt der Recycler seinen neuen „Service ReValue“ vor. Das Angebot richtet sich an Hersteller und Inverkehrbringer, die mit Überbeständen, Fehlproduktionen oder Retouren umgehen müssen – und ab Sommer dafür eine Lösung brauchen, die dem Recycling und der Entsorgung vorgelagert ist.

PreZero verkauft das Konzept entsprechend offensiv. „Überbestände sind somit kein Abfall, sondern wertvolles gebundenes Kapital“, sagt Lennart Birkner, Head of ReValue bei PreZero International. Im Kern ist es ein Komplettpaket: PreZero nimmt die Ware ab, verteilt sie weiter und erbringt die regulatorisch geforderten Nachweise. Das Unternehmen verweist auf langjährige Erfahrung im internationalen Warenfluss innerhalb der Schwarz Gruppe, zu der unter anderem Lidl und Kaufland gehören. Nach eigenen Angaben steuert ReValue dort jährlich Millionen Einzelartikel. Was bislang konzernintern lief, soll nun externen Kunden offenstehen.

Die eigentliche Sorge: Markenschutz

Für viele Hersteller ist nicht die Entsorgung das Problem, sondern der Kontrollverlust danach. Tauchen Restposten als Markenware auf Online-Marktplätzen weit unter Listenpreis wieder auf, kann das den Markenwert stärker treffen als die ursprüngliche Vernichtung.

An diesem Punkt argumentiert PreZero mit einem Versprechen: garantierter Markenschutz. Verkauft werde die Ware nur in vorab festgelegten Märkten – auf Wunsch bewusst außerhalb der Kernmärkte des Herstellers, damit sie nicht den eigenen Vertrieb unterläuft. Dafür unterhält PreZero zwei Exportzentren in Europa, die verhindern sollen, dass Artikel in bestehende Absatzkanäle zurückfließen.

Wie groß der Retourenmarkt ist, lässt sich nur grob beziffern. Die EU-Kommission schätzt, dass in Europa jährlich vier bis neun Prozent aller in Verkehr gebrachten Textilien zerstört werden, bevor sie überhaupt getragen wurden – verbunden mit bis zu 5,6 Millionen Tonnen CO2-Emissionen pro Jahr. Allein in Deutschland werden im Onlinehandel laut Schätzungen der Universität Bamberg jedes Jahr mehrere Millionen retournierter Artikel entsorgt – frühere Erhebungen kamen sogar auf rund 20 Millionen.

320°/re

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