Recyclingstandorte

Erst Frankreich, dann Italien, jetzt Deutschland und Österreich. Ecobat zieht sich Schritt für Schritt aus dem europäischen Bleirecycling zurück. Clarios dagegen baut Kapazitäten auf.

Batterierecycling: Clarios übernimmt – Ecobat zieht sich zurück


Mit der Übernahme von drei Werken vom Wettbewerber Ecobat baut der Batteriehersteller Clarios seine Position im Recyclinggeschäft aus. Der Deal umfasst die Standorte Freiberg, Braubach und Arnoldstein – Anlagen, die zusammen weit mehr als 100.000 Tonnen Altbatterien pro Jahr verarbeiten. Das zurückgewonnene Material soll künftig direkt in der eigenen Batteriefertigung landen.

Im Kern geht es um zwei Rohstoffe: Blei und Polypropylen. Beide stecken in jeder Starterbatterie. Für Blei schreibt die EU-Batterieverordnung ab 2031 einen Mindestrezyklatanteil von 85 Prozent vor – die mit Abstand höchste Quote der Verordnung. Wer die Rückgewinnung selbst kontrolliert, ist nicht darauf angewiesen, die Quoten beim Zulieferer einzukaufen.

Die Dimensionen sind bedeutsam. Die beiden deutschen Standorte Freiberg und Braubach verarbeiteten 2024 nach Unternehmensangaben rund 98.000 Tonnen Altbatterien. Für das österreichische Werk in Arnoldstein nennt Ecobat nur Outputzahlen: etwa 27.000 Tonnen Blei und Bleilegierungen sowie 1.400 Tonnen Polypropylen jährlich. Das Material fließt anschließend in die Produktion neuer Niederspannungsbatterien.

Beim Polypropylen geht Clarios noch einen Schritt weiter: Mit dem Werk in Braubach übernimmt der Konzern erstmals eine eigene Compoundieranlage. Die Anlage läuft seit 1990 und gilt als einer der führenden europäischen Standorte für PP-Compounds aus Sekundärmaterial. Dort wird das aus den Batteriegehäusen zurückgewonnene Polypropylen zu einsatzfertigem Granulat verarbeitet – eine Stufe der Wertschöpfung, die Clarios bislang nicht selbst abgedeckt hat.

Clarios selbst spricht von einem „strategischen Meilenstein“ und einer widerstandsfähigeren Lieferkette. Man richte sich damit auf die kommenden EU-Vorgaben aus.

Dahinter steht ein industriepolitisches Kalkül. Die EU schreibt für Fahrzeuganwendungen steigende Anteile recycelten Kunststoffs vor. Parallel zieht die Batterieverordnung die Anforderungen an Rückgewinnungsquoten und Materialnachweise an. Wer Recycling, Veredelung und Batteriefertigung in einer Hand bündelt, kann die Nachweise leichter führen – und ist weniger abhängig von den Preisschwankungen am Sekundärbleimarkt.

Für Ecobat ist der Verkauf der Schlusspunkt eines vollständigen Rückzugs aus dem europäischen Bleigeschäft – nach den bereits abgegebenen Werken in Frankreich und Italien gibt das Unternehmen nun auch seine deutschen und österreichischen Bleirecyclingstandorte ab. In Deutschland behält Ecobat nur den Standort Hettstedt, an dem Lithium-Ionen-Batterien aus Elektrofahrzeugen recycelt werden. Für Clarios ist es der bislang sichtbarste Schritt, mehr Recyclingkapazität in eigene Hand zu nehmen, statt sie über Lohnverarbeiter einzukaufen.

320°/re

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