Schrottrecycling
Die Scholz-Gruppe wechselt erneut den Besitzer. Der Käufer kommt aus Frankreich. Für Derichebourg bedeutet die Übernahme einen Wachstumssprung – das deutsche Geschäft entspricht der Hälfte seiner bisherigen Recycling-Erlöse.
Französischer Recycler Derichebourg übernimmt Scholz
Der französische Recycling- und Entsorgungskonzern Derichebourg übernimmt die Scholz-Gruppe. Das Pariser Unternehmen hat einen verbindlichen Vertrag über den Erwerb sämtlicher Anteile am Essinger Schrotthändler unterzeichnet. Den Kaufpreis nennen beide Seiten nicht. Vorbehaltlich der kartell- und investitionsrechtlichen Freigaben soll die Transaktion im zweiten Halbjahr 2026 abgeschlossen sein.
Scholz machte 2025 rund 1,6 Milliarden Euro Umsatz, beschäftigt 3.500 Menschen an mehr als 180 Standorten und gehört zu den größten Metallrecyclern Europas.
Hintergrund des Verkaufs ist die wirtschaftliche Schieflage beim bisherigen Eigentümer. Scholz gehört seit Dezember 2016 zur in Hongkong börsennotierten Chiho Environmental Group. Damals galt der Schrotthändler als einer der größten Sanierungsfälle Deutschlands und wurde nach einem Schuldenschnitt für einen symbolischen Euro übernommen. Chihos Plan: Über Scholz wollten sich die Chinesen den Zugriff auf europäische Elektromotoren und gemischte Metallschrotte sichern und das Material in heimischen Werken aufbereiten.
Doch das Geschäftsmodell brach 2018 zusammen, als die chinesische Regierung den Import gemischter Recyclingmaterialien per Dekret untersagte. Seither ist Chiho dauerhaft in der Krise – mit Verlusten, Werksschließungen und stockender Restrukturierung. Im Frühjahr 2024 konnte der Konzern einen 50-Millionen-Dollar-Kredit nicht mehr bedienen. Ende Mai 2025 zogen die Gläubiger Sicherheiten an mehreren Konzerngesellschaften, darunter die Scholz Holding, und übertrugen die Kontrolle an die FTI Consulting. Im September 2025 wurde dann die komplette Scholz-Geschäftsführung ausgetauscht.
Halb so groß wie der Käufer
Für Derichebourg ist Scholz ein Zukauf von Gewicht. Das deutsche Geschäft entspricht rund der Hälfte der Recycling-Erlöse des französischen Konzerns. Derichebourg ist in 13 Ländern aktiv, beschäftigt weltweit rund 5.500 Menschen und ist an der Pariser Börse notiert. Bislang macht der Heimatmarkt Frankreich rund 69 Prozent des Nettoumsatzes aus. Mit Scholz kämen mehr als 100 Recyclingzentren hinzu, darunter in Deutschland, Tschechien, Polen und Slowenien sowie über Joint Ventures in Österreich und Rumänien.

