Altautos
Stellantis eröffnet sein drittes Demontagezentrum weltweit – diesmal in Marokko. Bis zu 10.000 Fahrzeuge pro Jahr sollen dort zerlegt werden, brauchbare Teile wandern zurück ins Aftersales-Netz. Doch die Auslastung hat der Konzern nicht allein in der Hand.
Stellantis eröffnet weiteres Demontagezentrum
In einer Halle am Industriegürtel von Casablanca stehen ausrangierte Pkw in Reihen, die meisten erworben über Versicherungen oder Auktionen. Was dort am 6. Mai eröffnet wurde, ist nach Angaben von Stellantis das erste herstellereigene Demontagezentrum für Altfahrzeuge auf dem afrikanischen Kontinent – und der dritte Standort des Konzerns weltweit, nach Turin und São Paulo.
Bis zu 10.000 Altfahrzeuge pro Jahr sollen in der Halle zerlegt werden. Das Werk gehört zu Sustainera, dem Geschäftsbereich, unter dem Stellantis seine Kreislaufaktivitäten bündelt. Hinter dem Markennamen steht eine 4R-Strategie: Remanufacturing, Repair, Reuse, Recycling. Im Alltag heißt das: Altfahrzeuge werden zerlegt, brauchbare Teile als Originalersatzteile in das Aftersales-Netz gespeist, der Rest geht ins Materialrecycling.
Größer als das Werk in Brasilien
Mit rund 6.000 Quadratmetern Fläche rangiert Casablanca im Stellantis-Vergleich an der oberen Kapazitätskante. Das brasilianische Schwesterwerk in Osasco bei São Paulo, das im August 2025 anlief, schafft 8.000 Demontagen pro Jahr – Casablanca übertrifft diese Größe nominell um ein Viertel. Das Investitionsvolumen für den marokkanischen Standort beziffert der Konzern auf 1,6 Millionen Euro.
Der dritte Stellantis-Standort, der Circular Economy Hub in Mirafiori bei Turin, ist mit den beiden anderen Standorten nur eingeschränkt vergleichbar: Auf 73.000 Quadratmetern bündelt er neben der Fahrzeugdemontage auch die Wiederaufbereitung von Motoren, Getrieben und Hochspannungsbatterien – ein integrierter Hub statt eines reinen Demontagewerks.
Wirtschaftlich zielt das neue Werk zunächst auf Marokko, perspektivisch auf Subsahara-Afrika. Das Land gilt in Nordafrika als Vorreiter bei erneuerbaren Energien – in der Abfallwirtschaft sieht das Bild anders aus. Dort prägen informelle Strukturen weite Teile des Geschehens. Die deutsche Außenwirtschaftsagentur Germany Trade and Invest beschreibt die nationale Recyclingquote als niedrig, bei hoher Informalität. Altfahrzeuge zählen zu den Stoffströmen, die Marokko in seinen nationalen Strategien künftig formalisieren will.
Hinzu kommt die Marktdynamik. Weltweit altern die Fahrzeugflotten, die Nutzungsdauern steigen – der Aftermarket für Ersatzteile wächst entsprechend. Sein eigenes Wiederverwendungsgeschäft sah Stellantis 2025 um 51 Prozent gegenüber dem Vorjahr wachsen. Und der Preisvorteil ist beträchtlich: Originalgebrauchtteile kosten nach Konzernangaben bis zu 70 Prozent weniger als Neuteile.
Offene Fragen bei Beschaffung und Absatz
Ob die Halle in Casablanca aber auch tatsächlich auf 10.000 Fahrzeuge pro Jahr kommt, hängt nicht allein vom Konzern ab. Die Beschaffung läuft über Versicherungsgesellschaften, Auktionen und andere Altfahrzeugkanäle – ein Geflecht, das in Marokko bislang nicht zentral organisiert ist. Und auch auf der Absatzseite ist offen, wie schnell sich der Verkauf gebrauchter Originalteile gegen etablierte Verwerter und den Graumarkt durchsetzen lässt.






