Neues Verfahren

Aus Alttextilien soll Spritzgussmaterial werden. Das Kölner Start-up CRCL hat ein Verfahren entwickelt, das Mischfasern mit Kunststoffabfall verbindet. Hinter dem Unternehmen stehen prominente Branchennamen.

CRCL macht aus Alttextilien einen neuen Werkstoff


Ausgediente T-Shirts, Pullover und Hosen mit hohem Mischfaseranteil haben in Deutschland meist nur zwei Entsorgungswege vor sich: Downcycling oder Verbrennung. Das Kölner Start-up CRCL will diesen Strom umlenken. Dafür bringen die Gründer zwei Abfallströme zusammen, die bislang getrennt entsorgt wurden: Mischfasertextilien und Kunststoffreste. Daraus entsteht ein neuer Werkstoff namens Apatura – ein Granulat, das sich im Spritzguss zu industriellen Bauteilen weiterverarbeiten lässt.

Erste Pilotprojekte mit Vitra und Hanit

Laut CRCL wurde die Verarbeitung auf einer industriellen Anlage bereits erprobt. Pilotprojekte mit dem Schweizer Möbelhersteller Vitra und mit Hanit, einem Anbieter von Recyclingkunststoff-Produkten, seien erfolgreich abgeschlossen. Als Anwendungsfelder nennt CRCL die Möbelindustrie, den Interior-Bereich und den Bausektor. Das Verfahren ist zum Patent angemeldet – mehr Details zur Technik gibt das Unternehmen nicht preis.

CRCL-Gründer Lauritz Schmidt, Timur Oruz und Lars Conzendorf (v.l.nr.) | Foto: Dirk Loerper

Hinter CRCL stehen die Gründer Lars Conzendorf, Lauritz Schmidt und Timur Oruz. Begleitet werden sie von Branchenkennern aus Industrie und Recycling, darunter Thomas Kyriakis, ehemals CEO von PreZero. Den Marktzugang dürfte zudem eine familiäre Verbindung erleichtern: Thomas Conzendorf, seit 20 Jahren im Vorstand von Remondis, begleitet das Unternehmen von Beginn an als Mentor.

Anfang 2026 schloss CRCL eine Seed-Finanzierungsrunde über eine Million Euro ab und wird seither mit zehn Millionen Euro bewertet. Mit dem Kapital will das Start-up die Technologie skalieren und industrielle Kapazitäten aufbauen. Die nächste Bewährungsprobe liegt damit weniger im Labor als in der Anlagentechnik: ob sich das Verfahren auf Tonnage-Niveau wirtschaftlich betreiben lässt – und ob die Industriepartner aus den Pilotprojekten zu Daueranwendern werden.

320°/re

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