Elektromobilität

Northvolt, ACC, SVolt: In Europa stockt eine Batteriefabrik nach der anderen. Ausgerechnet Tesla legt jetzt nach – mit 250 Millionen Dollar für eine Zellfertigung in Grünheide. 1.500 neue Stellen inklusive.

Tesla plant Batteriezellfabrik in Grünheide


Im April war von Batteriezellen noch keine Rede. Damals kündigte Tesla an, die Fahrzeugproduktion in Grünheide hochzufahren. Rund 1.000 Arbeitskräfte sollten zusätzlich eingestellt werden. Das Ziel: 6.000 Autos pro Woche, ein Fünftel mehr als zuvor.

Einen Monat später legt der Konzern nach – und zielt diesmal auf das Herzstück jedes Elektroautos. Knapp 250 Millionen US-Dollar, umgerechnet rund 230 Millionen Euro, sollen in den Aufbau einer eigenen Batteriezellfertigung am Standort fließen. Geplante Jahreskapazität: 18 Gigawattstunden – mehr als das Doppelte des ursprünglichen Ziels.

Damit kündigt Tesla an, was in Europa bislang kein anderer Hersteller umgesetzt hat: Zellfertigung und Fahrzeugmontage auf demselben Werksgelände. „Von der Batteriezelle bis zu Elektrofahrzeugen soll ab voraussichtlich 2027 alles an einem Standort produziert werden“, teilte das Unternehmen mit. Bislang werden in Grünheide nur Batteriekomponenten gefertigt; die Zellen selbst kommen aus den USA und werden über den Atlantik verschifft.

Rückkehr zum Personalaufbau

Für den Hochlauf der Zellproduktion sollen mehr als 1.500 Beschäftigte neu eingestellt werden. Hinzu kommen rund 500 Leiharbeitnehmer, die Tesla im Laufe des Jahres in feste Arbeitsverhältnisse übernehmen will. Ein Unternehmenssprecher erklärte, der Personalaufbau in der Zellfertigung solle „mittelfristig“ erfolgen.

Die Ankündigung wirkt schon deshalb bemerkenswert, weil sie in einer Phase rückläufiger Beschäftigung kommt. Vor gut zwei Jahren arbeiteten in Grünheide rund 12.400 Menschen, zuletzt waren es nach Unternehmensangaben 10.700 – ein Minus von 1.700 Stellen. Hintergrund waren sinkende Produktions- und Zulassungszahlen, von denen sich Tesla nun nach eigener Lesart erholt.

Gegenakzent zur Standortdebatte

Brandenburgs Wirtschaftsministerin Martina Klement wertet die Investition als Gegenakzent zur Standortdebatte. „Deutschland ist weiterhin in der Lage, große industrielle Investitionen anzuziehen“, sagte Klement. Die Batterietechnologie werde für industrielle Wertschöpfung und moderne Mobilität in den kommenden Jahren eine zentrale Rolle spielen.

Aus industriepolitischer Sicht trifft die Ankündigung tatsächlich einen wunden Punkt. Das Fraunhofer ISI beziffert das Volumen verzögerter oder gescheiterter Batterieproduktionsprojekte in Europa aktuell auf mehr als 700 Gigawattstunden – allein in Deutschland summieren sich die betroffenen Projekte auf rund 240 Gigawattstunden. Darunter sind Northvolts geplantes Werk in Heide, die ACC-Gigafactory in Kaiserslautern und zwei SVolt-Vorhaben. Zugleich kommen europäische Maschinenbauer bei der Ausstattung neuer Batteriefabriken nur auf rund acht Prozent Marktanteil – den Standard setzen chinesische Komplettanbieter, so eine Studie von Porsche Consulting und VDMA. In diesem Umfeld wirkt jede konkrete Zelleninvestition wie ein Lebenszeichen.

Doch der Blick auf Teslas eigene Bilanz zeigt, wie weit Ambition und Realität auseinanderdriften können. Bei der Eröffnung der Gigafactory Berlin-Brandenburg vor rund vier Jahren peilte das Unternehmen 500.000 Fahrzeuge pro Jahr an, später wollte Tesla die Zahl verdoppeln – auf eine Million. Mit den nun angestrebten 6.000 Autos pro Woche kommt der Standort rechnerisch auf gut 300.000 im Jahr.

Zuletzt gingen die Zahlen sogar deutlich nach unten. Im ersten Halbjahr brach Teslas Absatz in Westeuropa um rund ein Drittel ein, der Marktanteil sank von 2,4 auf 1,6 Prozent. In Deutschland fielen die Zulassungen in den ersten sieben Monaten um über 60 Prozent. Weltweit lieferte Tesla 2025 rund 1,64 Millionen Fahrzeuge aus, ein Minus von rund neun Prozent.

Eine Wette auf Resilienz

Ob aus den 18 Gigawattstunden in Grünheide am Ende ein Eckpfeiler der europäischen Batterieautonomie wird, hängt von zwei Variablen ab. Erstens davon, ob Tesla die Nachfrage zurückgewinnt, die das Werk auslasten muss. Zweitens davon, ob 2027 als Startjahr realistisch ist. Die Erfahrung der vergangenen Jahre legt nahe, dass in der europäischen Batterieindustrie zwischen Ankündigung und Inbetriebnahme erhebliche Strecken liegen können.

320°/dpa/re

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