Deponieerweiterung

Die Bezirksregierung Köln hat die Erweiterung der Deponie Haus Forst genehmigt. Der Standort im Rhein-Erft-Kreis wächst damit um rund 2,4 Millionen Kubikmeter Verfüllvolumen – und um eine ganze Deponieklasse.

Remex baut Deponie auf Deponie – und plant bis 2057


Auf dem ehemaligen Hausmüllberg zwischen Blatzheim und Manheim, fünf Kilometer westlich von Kerpen in Nordrhein-Westfalen, wird in den kommenden Jahren wieder gebaut. Die Bezirksregierung Köln hat die Erweiterung der Deponie Haus Forst planfestgestellt und damit den Weg für weitere 13 Jahre Betrieb freigemacht. Hinter der Erweiterung steht die Remex GmbH, die den Standort betreibt und das Genehmigungsverfahren eingeleitet hat. Die Genehmigung selbst hält die Konzernschwester Remondis Region Rheinland.

Mit dem Beschluss wächst das genehmigte Verfüllvolumen um rund 55 Prozent – von 4,4 auf 6,8 Millionen Kubikmeter. 3,5 Millionen Kubikmeter sind für Abfälle der Deponieklasse I reserviert, 3,3 Millionen Kubikmeter für solche der Klasse II. Bei einer veranschlagten Anliefermenge von rund 300.000 Tonnen pro Jahr verlängert sich die Laufzeit der Deponie damit um etwa 13 Jahre – auf das Jahr 2057.

Zwei Klassen, ein Standort

Die eigentliche Neuerung betrifft die Deponieklasse. Bislang durften in Haus Forst nur mäßig belastete mineralische Abfälle der Klasse I abgelagert werden, etwa Bauschutt, Bodenaushub oder Schlacken aus der Müllverbrennung. Künftig kommt ein eigener Abschnitt für DK-II-Abfälle hinzu, auf dem deutlich höher belastete mineralische Reststoffe entsorgt werden dürfen – typischerweise stärker belastete Schlacken und Aschen oder Bodenaushub mit erhöhten Schadstoffgehalten.

Hinzu kommt noch eine zweite, weiterreichende Öffnung: Der Standort darf künftig auch gefährliche mineralische Abfälle annehmen, sofern sie die Zuordnungswerte der Deponieklasse II einhalten. Dazu zählen typischerweise kontaminierte Böden oder belasteter Straßenaufbruch.

„Der zukünftige Betrieb von zwei Deponieklassen an einem Standort erhöht die Effizienz und die Nachhaltigkeit des Entsorgungsangebots in NRW“, sagt Remex-Geschäftsführer Michael Stoll. Der unternehmerische Hintergedanke liegt auf der Hand: Wer in einer Region zwei Abdichtungsstandards parallel vorhält, spart Transportwege, Flächenverbrauch und reduziert den Genehmigungsaufwand gegenüber einer Neuanlage auf unberührter Fläche.

Technisch setzt Remex erneut auf das Konzept „Deponie auf Deponie“. Dabei wird der neue Deponiekörper auf den bestehenden Altabschnitten errichtet; an der Schnittstelle übernimmt eine bifunktionale Zwischenabdichtung zwei Aufgaben gleichzeitig – sie dichtet die alte Deponie nach oben ab und bildet die Basisabdichtung der neuen. Für den DK-II-Abschnitt gelten dabei strengere Anforderungen an Basisabdichtung, Sickerwasserfassung und Oberflächendichtung als für DK I.

Die Geschichte des Standorts ist eine kurze Chronik deutscher Abfallpolitik. Auf dem Gelände einer ehemaligen Kiesgrube lagerte der Rhein-Erft-Kreis ab 1977 seinen Hausmüll ab – planfestgestellt damals als Deponie der Klasse II. Mit dem 2005 in Kraft getretenen Verbot, unbehandelte Siedlungsabfälle zu deponieren, war damit Schluss. Von den genehmigten 8,2 Millionen Kubikmetern waren bis dahin nur rund 4 Millionen tatsächlich verfüllt. Das übrig gebliebene Volumen ist heute die Grundlage für die zweite Nutzung des Standorts.

Knapp zehn Jahre nach der Stilllegung kam wieder Bewegung in die Sache: 2016 wurde der Antrag auf Reaktivierung als DK-I-Deponie gestellt, 2018 erteilte die Bezirksregierung Köln die Genehmigung, im April 2020 begann die Verfüllung. Bislang sind dort rund eine Million Kubikmeter mineralischer Abfälle abgelagert worden. Mit dem neuen Planfeststellungsbeschluss wächst der Berg nun nicht nur in die Breite, sondern auch in die Höhe: Wie Remex im Kerpener Umweltausschuss vorstellte, soll die Endhöhe der Deponie um rund 15 Meter steigen.

Volumen am Limit

Dass Remex an einem reaktivierten Standort gleich zweimal Volumen nachlegt, hat einen handfesten Marktgrund. Schon 2014 attestierte eine Bedarfsanalyse von Prognos und INFA im Auftrag des NRW-Umweltministeriums dem Land einen erheblichen zusätzlichen Bedarf an DK-I-Kapazitäten – vor allem im westfälischen Landesteil. Im Regierungsbezirk Münster gab es seinerzeit faktisch keine DK-I-Deponie in der Ablagerungsphase, in Detmold nur sehr wenig Volumen. In den Regierungsbezirken Köln und Düsseldorf hat sich die Lage durch Erweiterungen und neue Deponien zwar etwas entspannt; rund 96 Prozent des genehmigten DK-I-Restvolumens konzentrieren sich inzwischen auf Düsseldorf, Köln und Arnsberg. In den übrigen Regionen besteht laut Landesamt für Natur, Umwelt und Klima (LANUK) weiterhin Handlungsbedarf.

Auch am Standort Vereinigte Ville war das Polster dünn: Nach Angaben der Betreiber hätten die freien Kapazitäten der drei benachbarten Deponien nur noch bis zum Ende der 2020er Jahre gereicht. Erst der Planfeststellungsbeschluss der Bezirksregierung Arnsberg im Herbst 2023 entschärfte die Lage. Genehmigt wurden 29 Millionen Kubikmeter zusätzliches Ablagerungsvolumen der Deponieklassen I, II und III – aufgeteilt auf die drei Betreiber, die das Vorhaben gemeinsam beantragt hatten: RWE Power (DK I), AVG Köln (DK II) und Remondis Industrie Service (DK III).

Das zusätzliche Volumen kommt vor allem jenen zugute, deren Geschäft dauerhaft mineralische Reststoffe erzeugt – von der Bauwirtschaft über die Industrie bis zur Energie- und Abfallwirtschaft. Wie groß der Bedarf ist, zeigt ein Blick in die Statistik: Allein in Nordrhein-Westfalen wurden im Jahr 2024 nach Angaben des Statistischen Landesamts IT.NRW rund 11,8 Millionen Tonnen Abfall auf Deponien gelagert.

320°/hk

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