Dämmmaterial
Sie schmilzt erst bei extremer Hitze, brennt nicht, lässt sich kaum verwerten: Steinwolle ist ein Deponie-Dauergast. Eine neue Anlage in Bayern soll den Stoff zurück in die Produktion holen. Doch sie nimmt nicht jede Dämmung an.
Neue Anlage in Bayern recycelt alte Steinwolle
Steinwolle wird aus geschmolzenem Gestein gesponnen – und trotzdem landet das meiste davon am Ende auf der Deponie. Das liegt am Material selbst: Mineralwolle ist nicht brennbar, schmilzt erst bei sehr hohen Temperaturen und lässt sich deshalb kaum thermisch verwerten. In der Praxis fehlen flächendeckende und wirtschaftliche Aufbereitungsverfahren, und so wandert der Großteil alter Dämmwolle in eigens ausgewiesene Deponieabschnitte für asbestfreie Mineralfaserabfälle.
In Ingolstadt will der Entsorger Büchl diesen Weg unterbrechen: mit einer Recyclinganlage, die ausgebaute Dämmung wieder zu Dämmung machen soll. Sie soll die Grundlage für ein industrielles Recycling von Steinwolle-Dämmstoffen schaffen, die unter der Abfallschlüsselnummer AVV 17 06 04 geführt werden.
Laut Büchl ermöglicht die Anlage erstmals in Bayern die flächendeckende Erfassung, Prüfung, Aufbereitung und Rückführung geeigneter Steinwolle-Abfälle in den Produktionskreislauf von Rockwool. Das zielt vor allem auf den rund 25 Kilometer entfernten Rockwool-Standort Neuburg a. d. Donau. Eingebunden ist die Anlage in das konzerneigene Rücknahmesystem Rockcycle, über das beide Unternehmen ihre Kooperation organisieren.
Bei den Produktionsresten ist der Kreislauf längst Routine: 96 Prozent davon führt Rockwool nach eigenen Angaben zurück. Was in den Gebäuden steckt, blieb dagegen weitgehend außen vor. Das ändert sich nun: In der neuen Anlage landet auch Steinwolle aus Abbruch, Sanierung und Instandhaltung – vorausgesetzt, sie stammt aus Gebäuden ab Baujahr 1996. Durch eine gezielte Vorselektion soll sichergestellt werden, dass ausschließlich sortenreine Steinwolle in die Aufbereitung gelangt.
Das Stichjahr ist kein Zufall. Steinwolle, die vor 1996 hergestellt wurde, fällt unter strengere Regeln für „alte Mineralwolle“, deren Fasern als krebserzeugend eingestuft werden; sie muss gesondert verpackt und entsorgt werden.
Für Büchl-Geschäftsführer Jürgen Kienlein schafft die Anlage die Basis, um Rockwool und weitere Partner „verlässlich und in industriellem Maßstab im Recyclingprozess zu unterstützen“. Eine konkrete Jahreskapazität nennen die Partner allerdings nicht – wie viele Tonnen Steinwolle die Halle künftig aufbereiten soll, bleibt somit offen.








