Außenhandel

2025 importierte die EU 49,7 Millionen Tonnen Recyclingrohstoffe und exportierte 36,2 Millionen. Doch nicht nur die Menge unterscheidet sich, sondern auch die Stoffe. Was die EU einführt – und was sie ausführt.

Recyclingrohstoffe: Europas Importlücke wächst weiter


Europa verschifft Schrott und holt sich Organik zurück. So lässt sich der europäische Handel mit Recyclingrohstoffen 2025 auf eine Formel bringen. Unterm Strich kam dabei deutlich mehr herein als heraus: 49,7 Millionen Tonnen Importe gegen 36,2 Millionen Tonnen Exporte, eine Nettolücke von 13,5 Millionen Tonnen. Das zeigen aktuelle Zahlen von Eurostat, dem statistischen Amt der EU. Und die Lücke wird größer, nicht kleiner – gegenüber 2024 legte das Nettoimportvolumen um rund eine Million Tonnen zu, ein Plus von 7,8 Prozent.

Der Befund ist kein Ausreißer, sondern Dauerzustand. Seit Beginn der Eurostat-Zeitreihe im Jahr 2005 war die EU in jedem einzelnen Jahr Nettoimporteur recycelbarer Rohstoffe. Beim Export dominiert das Metall: 18,9 Millionen Tonnen oder 52,1 Prozent aller Ausfuhren entfielen 2025 auf Schrott und metallische Reststoffe. Mit großem Abstand folgten Papier und Pappe (6,0 Millionen Tonnen; 16,5 Prozent) sowie organische Materialien (4,4 Millionen Tonnen; 12,0 Prozent).

Beim Import dreht sich das Bild. Hier sind es die organischen Stoffe, die mit 30,0 Millionen Tonnen den Markt bestimmen – 60,3 Prozent aller eingeführten Recyclingrohstoffe. Erst danach kommen Mineralien (8,3 Millionen Tonnen; 16,7 Prozent) und Metalle (6,3 Millionen Tonnen; 12,7 Prozent).

Ein zweiter Unterschied liegt nicht in den Mengen, sondern im Status der Stoffe. Metallschrott und Altpapier werden fast ausschließlich als Abfall gehandelt. Organische Materialien folgen einem anderen Muster: Sie bestehen überwiegend aus Nebenprodukten. Beim Handel mit organischen Stoffen macht Abfall nur 1,8 Prozent der Exporte und 3,2 Prozent der Importe aus.

Grafik: Eurostat

Türkei und Brasilien als Drehscheiben

Auch geografisch zerfällt der Handel in zwei getrennte Welten. Was die EU ausführt, geht zu einem großen Teil in die Türkei: 12,8 Millionen Tonnen, mehr als ein Drittel aller Exporte, landeten 2025 dort. Auf den weiteren Plätzen folgten Indien (3,9 Millionen Tonnen), das Vereinigte Königreich (3,4 Millionen Tonnen), Ägypten (1,9 Millionen Tonnen) sowie Norwegen und die Schweiz mit je 1,5 Millionen Tonnen.

Dreht man die Handelsrichtung um, wandert der Schwerpunkt nach Südamerika. Die größten Importe kamen 2025 aus Brasilien (11,2 Millionen Tonnen) und Argentinien (8,7 Millionen Tonnen) – beides Lieferanten, deren Gewicht sich vor allem aus den organischen Materialien speist. Dahinter rangieren das Vereinigte Königreich (4,4 Millionen Tonnen), die Ukraine (4,0 Millionen Tonnen) und die Vereinigten Staaten (2,4 Millionen Tonnen).

Der Anstieg des Nettoimportvolumens von 2025 ist das zweite Plus in Folge. Erst 2024 waren die EU-Importe gegenüber dem Vorjahr um 17,5 Prozent auf 46,7 Millionen Tonnen gesprungen, während die Exporte um 8,2 Prozent zurückgingen. Am engsten war die Lücke 2023 mit nur 1,07 Millionen Tonnen – der niedrigste Wert seit Beginn der Zeitreihe.

Gemessen daran hat sich der Abstand zwischen Ein- und Ausfuhr binnen zweier Jahre deutlich geweitet. Ein Rekord ist er deshalb noch nicht: Die heutige Lücke liegt 35,6 Prozent unter dem Höchstwert von 21 Millionen Tonnen, den Eurostat für 2006 ausweist.

320°/dpa/re

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