Batteriebrände

Auch in Österreichs Abfallanlagen brennt es immer öfter. Schuld sind Lithiumbatterien, die im Restmüll landen und sich entzünden. Eine Studie hat nachgerechnet, wie groß das Problem inzwischen geworden ist.

Österreich: Im Restmüll landen 17 Millionen Batterien


Im Februar setzte der österreichische Bundesfeuerwehrverband bei einer Vorführung in Wien einen Bolzenschneider an. Reihum wurden Akkus und Batterien beschädigt – bei manchen tat sich nichts, andere begannen sofort zu rauchen oder zu brennen. Am schnellsten aber brannte das harmloseste Stück im Versuch – eine Glückwunschkarte, in der eine Knopfzelle für den Melodie-Chip steckte.

Der Schauversuch führte vor, was sich in den Anlagen der Abfallwirtschaft längst unkontrolliert abspielt. Wie groß das Ausmaß ist, beziffert nun eine neue Studie der Montanuniversität Leoben. Im Schnitt stecken acht Lithiumbatterien in jeder Tonne Restmüll. Auf ein Sammelfahrzeug mit rund 8,5 Tonnen Ladung gerechnet, sind das etwa 70 Stück pro Fuhre.

Ausgewertet hat die Forschergruppe mehr als 1.000 öffentlich bekannt gewordene Brände aus 18 Jahren. Das Ergebnis zeigt einen klaren Trend: Die Zahl der Fehlwürfe hat sich in zehn Jahren vervierfacht. Je mehr Lithiumbatterien in Umlauf sind, desto mehr landen falsch entsorgt im Restmüll – und desto häufiger brennt es in den Betrieben.

Studienautor Thomas Nigl beziffert, was das bundesweit bedeutet: „Hochgerechnet beträgt die Anzahl an Lithiumbatterien im Restmüll jährlich rund 17 Millionen Stück. Das ist für die Abfallwirtschaft eine Katastrophe.“ Auffällig sei vor allem der Anstieg der vergangenen zwei Jahre, mit neuen Extremwerten bei Branddauer, betroffener Abfallmenge und Schadenssumme.

Die Auffälligkeiten betreffen vor allem fest verbaute Lithium-Ionen-Akkus in Kleingeräten und Konsumprodukten. Im untersuchten Restmüll fanden sich besonders häufig Einweg-E-Zigaretten, Spielzeug, elektrische Zahnbürsten, Akkugeräte und kleinere Elektrogeräte mit integrierten Akkus. 2024 war in Österreich fast jede zweite verkaufte Gerätebatterie eine Lithiumbatterie – rund 46,5 Prozent. Zurück in die Sammlung kamen aber nur etwa 13 Prozent.

Allein im vergangenen Jahr dokumentierte der VOEB, der Verband Österreichischer Entsorgungsbetriebe, 36 größere Brandereignisse. Investitionen in den Brandschutz hätten das Problem nicht aufgefangen, heißt es beim Verband. Wirksam sei aus seiner Sicht nur ein finanzieller Anreiz – ein Cashback-System für die Rückgabe von Lithiumbatterien, das die Sammelquote spürbar anhebe. Der regulatorische Druck wächst ohnehin: Bis 2030 muss die Sammelquote aller Gerätebatterien laut EU-Vorgabe auf 73 Prozent steigen, Österreich liegt derzeit bei rund 53 Prozent. Ein Zwischenziel von 63 Prozent gilt nach der EU-Batterieverordnung bereits Ende 2027.

Sammelquote in Deutschland

In Deutschland fällt die Bilanz kaum anders aus. Jeden Tag brennt es in Sammelfahrzeugen und Anlagen, in vier von fünf Fällen stecken Lithium-Akkus dahinter. Etwas besser sieht es beim Sammeln aus – aber auch nur wenig. Die sechs hier tätigen Rücknahmesysteme – Rebat, GRS-Batterien, GRS Service, DS Entsorgung, ÖcoReCell sowie das 2025 hinzugekommene Prezero Return2Value – kommen für 2025 auf eine Quote von 56,3 Prozent. Das entspricht nach Angaben der Systeme einer Sammelmenge von 34.456 Tonnen Gerätebatterien. Zum Vergleich: Im Jahr 2024 wurden insgesamt 31.876 Tonnen Batterien eingesammelt, das entsprach einer Quote von 53,8 Prozent. 2020 lag sie noch bei 45,6 Prozent.

320°/sr

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