Buntmetalldiebstähle
In Bitterfeld legten Kupferdiebe den Zugverkehr lahm, in Görlitz brachten sie ein Haus zum Einsturz. Der hohe Kupferpreis macht Buntmetall zur begehrten Beute. Selbst auf Friedhöfen schlagen die Diebe zu.
Wenn Kupferklau ein Haus zum Einsturz bringt
Ein Haus in Görlitz stürzt ein, drei Menschen sterben – und der Verdacht fällt auf Metalldiebe. Sie stehen im Verdacht, Mitte Mai die Rohrleitungen im Gebäude beschädigt zu haben, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft am Sonntag mit. Buntmetalle wie Kupfer, Messing oder Bronze sind derzeit so wertvoll, dass der Klau immer wieder spürbare Folgen hat: im Bahnverkehr, im Stromnetz, auf Baustellen.
Erst vor wenigen Tagen legten Metalldiebe im Raum Bitterfeld den Zugverkehr lahm. Die Folgen reichten bis nach Sachsen, betroffen waren Nah- und Fernverkehr. Im Januar verschwanden im sächsischen Döbeln Messing-Ornamente von Gräbern. Und immer wieder trifft es Unternehmen und Baustellen, von denen Kabelrollen abhandenkommen.
Wie groß das Phänomen tatsächlich ist, lässt sich für Sachsen nicht beziffern. Das Landeskriminalamt in Dresden erfasst den Buntmetallklau nach eigener Auskunft nicht gesondert – weder zu abgeschlossenen noch zu laufenden Verfahren liegen Zahlen vor.
Anders in Sachsen-Anhalt, wo die Fälle registriert werden. Dort hat sich der Schaden im vergangenen Jahr verdoppelt. Knapp 500 Fälle von Kupfer- und Buntmetalldiebstahl verursachten 2025 rund drei Millionen Euro Schaden, überwiegend bei Unternehmen.
Den Antrieb liefert der Markt. Eine Tonne Kupfer bringe beim Ankauf durch Entsorger derzeit bis zu 8.000 Euro, schätzt Jens Thieme, Pressesprecher des Berliner Entsorgers Alba, der auch in Sachsen und Sachsen-Anhalt Standorte betreibt.
Was an den Annahmestellen ankommt, ist mitunter kurios. Herausgeschnittene Eisenbahnschienen seien dabei gewesen, einmal sogar eine Bronzestatue, die von einem Marktplatz stammte, berichtet Thieme. Am häufigsten aber gehe es um Kabel.
Verdichten sich die Hinweise auf Diebesgut, werde es in der Regel nicht angenommen, sagt Thieme. Als Warnsignal gelten nicht nur ungewöhnliche Gegenstände, sondern auch ungewöhnlich große Mengen Buntmetall, mit denen Privatleute an den Annahmestellen auftauchen.
Hinzu kommt eine Hürde, die Alba sich selbst gesetzt hat: Das Bargeschäft an den Annahmestellen hat das Unternehmen vor Jahren abgeschafft. Wer Altmetall anliefert, muss sich ausweisen, gezahlt wird ausschließlich auf ein Bankkonto. Das geschehe aus Compliance-Gründen und erleichtere die Buchhaltung, sagt Thieme – erschwere zugleich aber den Verkauf von Diebesgut.
Erdkabel aus „Opas Garten“
Im Alltag lässt sich gestohlenes Material oft kaum erkennen. „Das sieht alles gleich aus“, sagt Helder Leite, Leiter der Dresdner Wertstoffhöfe beim Entsorger Nestler. Bei Kabeln und Kupferleitungen sei der Nachweis im Nachhinein schwierig.
Dennoch helfe die langjährige Erfahrung beim Erkennen dubioser Anbieter. „Bei mir muss keiner mit einer Oberleitung von der Bahn ankommen – ich weiß, dass man das nicht kaufen kann.“
Mit steigenden Preisen häuften sich die fragwürdigen Angebote, berichtet Leite. Einmal habe man ihm massive Erdkabel angeboten, angeblich gefunden in „Opas Garten“. Er lehnte ab. Kurz darauf lag das Material weggeworfen – nur wenige Meter neben dem Hof, „obwohl es sehr wertvoll war“.
Dass es für Diebe schwieriger wird, ihre Beute zu Geld zu machen, bestätigt auch der Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft (BDE). Die seriöse Recyclingwirtschaft habe ein erhebliches Eigeninteresse daran, gestohlene Ware aus den Stoffströmen herauszuhalten, sagt Sprecher Dirk Böttner-Langolf. Für gewerbliche Kunden gälten ohnehin strenge Dokumentationspflichten. Doch auch bei Privatkunden würden in der Regel Name und persönliche Daten erfasst, ein Ausweisdokument sei Pflicht.




