Neue Anlage
Ein mechanisch recyceltes Granulat, heiß abfüllbar und mikrowellenfest – und für den Lebensmittelkontakt geeignet. In Dessau baut Interzero die Pilotanlage. Beschickt wird sie mit Material aus dem Gelben Sack.
Interzero recycelt PP für den Lebensmittelkontakt
In einer Halle in Dessau entsteht gerade eine Pilotanlage, die Verpackungsmüll in einen Rohstoff für Lebensmittel verwandeln soll. Angeliefert werden Ballen aus dem Gelben Sack. Am Ende der Kette steht ein Granulat aus Polypropylen (PP), das sich heiß abfüllen lässt und in die Mikrowelle darf. Hinter dem Material steckt ein Verfahren, an dem Interzero über fünf Jahre gearbeitet hat.
„Wir haben uns in der Produktentwicklung darauf fokussiert, einen Recyclingrohstoff zu schaffen, der für den Einsatz in der Heißabfüllung, für Mikrowellenprodukte oder für Lebensmittel mit hohem Fett- oder Säureanteil geeignet ist“, sagt Thomas Herkert, Segmentleitung Sorting & Processing bei Interzero.
5.000 Tonnen zum Start
Das Ausgangsmaterial stammt aus den eigenen Sortieranlagen für Leichtverpackungen (LVP). In Dessau werden die Ballen zerkleinert, gewaschen, nachsortiert und aufbereitet. Aus den gewaschenen Flakes entsteht ein Regranulat, das den Sprung in den Lebensmittelkontakt schaffen soll. Mengenmäßig spricht einiges für PP: Es ist mit rund 10,5 Prozent der Masse die größte eindeutig identifizierte Kunststofffraktion in den Leichtverpackungen, deutlich vor PET mit 8,3 Prozent – so eine Verpackungsstudie der Hochschule Pforzheim aus dem Jahr 2024.
Die Pilotanlage ist im Bau und zunächst auf 5.000 Tonnen mechanisch recyceltes PP (mrPP) pro Jahr ausgelegt. Die Tests für Sortierung und Recycling sowie einen ersten Einsatz in Lebensmittelverpackungen seien abgeschlossen, teilt das Unternehmen mit. Das Zulassungsverfahren bei der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) für Lebensmittelkontakt, lebensmittelnahe Anwendungen und Kosmetik werde derzeit eingeleitet.
Hintergrund für den Bau der Anlage ist die EU-Verordnung (Packaging and Packaging Waste Regulation – PPWR), die erstmals verbindliche Mindestquoten für recyceltes Material in Verpackungen vorschreibt. Kunststoffverpackungen von Lebensmitteln oder Kosmetik, die nicht aus Polyethylenterephthalat (PET) bestehen, müssen ab 2030 mindestens zehn Prozent Post-Consumer-Rezyklat (PCR) enthalten. Ab 2040 sind es 25 Prozent. Die Quote wird je Fertigungsbetrieb, Verpackungsart und Kalenderjahr im Durchschnitt berechnet, nicht pro einzelner Verpackung.
Bislang sind die geforderten Mengen am Markt kaum verfügbar, die Produktion technisch anspruchsvoll. Dass die mechanische Aufbereitung die PPWR-Quoten allein nicht stemmen wird, räumt auch Interzero ein. „Um die Ziele der PPWR zu erreichen, braucht es ein Zusammenspiel starker Technologien“, so Jan Kroker, CEO von Interzero. „Für das PP-Recycling bedeutet das, mechanisches und chemisches Recycling komplementär zu nutzen, um möglichst viele Wertstoffe im Kreislauf zu führen.“













