Bodensanierung

In Wittenberge lief ein Jahr lang belasteter Boden durch eine Versuchsanlage. Das Ergebnis: Die PFAS lassen sich aus dem Boden holen, der Sand bleibt nutzbar. Wie viel Sand sich am Ende zurückholen lässt – und was doch in den Ofen muss.

Bodenwäsche gegen PFAS: Eggers plant Großanlage


Im Frühjahr 2025 ging auf dem Gelände der Eggers Umwelttechnik in Wittenberge eine Versuchsanlage in Betrieb. Was hindurchlief, war belasteter Boden – mal stärker, mal schwächer kontaminiert. Gut ein Jahr lang, bis Ende Mai 2026, wurde er dort gewaschen, mit einem Ziel: die sogenannten Ewigkeitschemikalien aus dem Erdreich zu holen. Das Ergebnis fällt nach Unternehmensangaben eindeutig aus. Die Bodenwäsche eigne sich, um belastete Böden zu reinigen und einen Großteil des Materials wieder in den Kreislauf zu bringen.

Die Stoffgruppe, um die es geht, heißt per- und polyfluorierte Alkylverbindungen, kurz PFAS. Jahrzehntelang steckten die Verbindungen in Teflonpfannen, in Outdoor-Kleidung und vor allem in Feuerlöschschäumen, weil sie Hitze trotzen und Fett wie Wasser abperlen lassen. Dieselbe Eigenschaft, die sie so brauchbar machte, wird nun zum Problem: In der Natur bauen sie sich praktisch nicht ab. Über ehemalige Feuerwehr- und Flughafenstandorte gelangen sie mit dem Regenwasser in Böden und Grundwasser – und bleiben dort.

Bislang ist die Verbrennung bei mehr als 1.000 Grad das einzige großtechnisch erprobte Verfahren, das PFAS tatsächlich zerstört. Doch sie ist teuer, energieintensiv und in der Kapazität begrenzt – weshalb sie bei großen Bodenmengen kaum praktikabel ist und meist Hotspots vorbehalten bleibt. Ein erheblicher Teil des belasteten Erdreichs landete deshalb auf Deponien, was das Problem nur verlagert. Eine großtechnische Lösung für hohe Tonnagen fehlt in Deutschland bislang.

Der Druck, das zu ändern, kam zuletzt von zwei Seiten. Strenger wurde zum einen das Bodenschutzrecht. Seit August 2023 nennt die novellierte Bundes-Bodenschutz- und Altlastenverordnung Prüfwerte für sieben PFAS – Schwellen für den Weg vom Boden ins Grundwasser. Wird einer überschritten, ist eine vertiefte Gefährdungsbeurteilung fällig. Und aus der können Sicherung oder Sanierung folgen.

Für die Mengen sorgen zum anderen konkrete Großbaustellen – allen voran die geplante Quartiersentwicklung auf dem ehemaligen Flughafen Berlin-Tegel. Dort soll mit dem Schumacher Quartier auf rund 46 Hektar ein Wohnviertel für mehr als 10.000 Menschen entstehen, gut 5.000 Wohnungen. Bevor 2026 die ersten Bauabschnitte starten, muss der belastete Boden vom Areal verschwinden – und davon fällt auf einem alten Flughafengelände reichlich an.

Sand-Rückgewinnung von bis zu 80 Prozent

Die Idee der Eggers-Töchter Umwelttechnik und TerraCon setzt an einer Eigenschaft der PFAS an: Sie gelten als wasserlöslich, also ließe sich der Schadstoff in einer Bodenwaschanlage auswaschen. Der Hebel liegt im Feinkorn: Dort sammelt sich der Großteil der Belastung, weshalb sich der gröbere Sand zurückgewinnen lässt.

„Bei sandigen Böden können wir bis zu 80 Prozent als gereinigtes Material zurückgewinnen“, sagt René Herrmann, Geschäftsführer bei Eggers Umwelttechnik. „Das reduziert die Mengen, die anschließend thermisch behandelt oder deponiert werden müssen, erheblich.“

Was bleibt, ist das belastete Waschwasser. Gereinigt wird es im Standardverfahren, über Aktivkohle oder Bindeverfahren wie Polymere. Die Verbrennung verschwindet damit nicht – sie schrumpft auf den Rest, der sich nicht auswaschen lässt.

Neue stationäre Großanlage für 120.000 Tonnen

Aus dem Versuch soll nun Routine werden. Eggers plant am Standort Wittenberge eine stationäre Anlage. Statt der Testanlage stünde dann ein Werk, das im Jahr bis zu 120.000 Tonnen Boden durchschleust.

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