Energiewende
Die Erneuerbaren beschäftigen so viele Menschen wie nie. Doch die Beschäftigung reagiert empfindlich auf jedes politische Signal aus Berlin. Das zeigt eine neue Studie. Ihr Adressat: Wirtschaftsministerin Reiche.
Jobrekord bei den Erneuerbaren – und ein Dämpfer aus Berlin
Selten lagen gute und schlechte Nachrichten so dicht beieinander. Während die Branche der erneuerbaren Energien einen Beschäftigungsrekord meldet, arbeitet die Bundesregierung an einer Serie von Gesetzen, die genau diesen Aufschwung dämpfen könnten. Rund 436.000 Menschen waren 2025 in der Branche tätig, fast vier Prozent mehr als im bislang besten Jahr 2023 – so steht es in einer neuen Untersuchung der Bertelsmann Stiftung.
Noch trägt der Aufschwung. Die meisten Stellen entfallen auf die Windenergie: Zwischen 2023 und 2025 wuchs ihre Zahl um rund 30 Prozent auf 172.000. „Die Windenergie stellt damit knapp ein Drittel aller Arbeitsplätze im Sektor der erneuerbaren Energien“, heißt es in der Studie. Dahinter folgen die Photovoltaik mit knapp 100.000 Beschäftigten und die Wärmepumpen mit rund 72.000.
Getragen wird der Rekord vor allem von Geld. Die Investitionen blieben 2025 mit rund 37,6 Milliarden Euro hoch, lagen aber unter dem Spitzenwert von 2023. Investitionen und Beschäftigung hingen eng zusammen, heißt es in der Analyse.
Weniger Investitionen, weniger Jobs
Doch der Zusammenhang hat eine Bedingung. Neben dem Ausbau brauche es auch Wertschöpfung im Inland, sagt die Arbeitsmarktexpertin der Stiftung, Jana Fingerhut. Wie wenig die reine Menge an Anlagen zählt, führt die Solarbranche vor: Obwohl immer mehr Photovoltaik-Anlagen ans Netz gehen, sinkt die Beschäftigung, weil die Module überwiegend im Ausland gefertigt werden.
Wie tief ein solcher Bruch reichen kann, hat die Branche schon einmal erlebt. Nach dem Boomjahr 2011, als laut Bundesverband Solarwirtschaft rund 156.700 Menschen in der Solarwirtschaft arbeiteten, setzte ein Absturz ein: Förderkürzungen und die Abwanderung der Modulproduktion nach China ließen die Beschäftigung bis 2017 auf 42.800 sinken.
Vor diesem Hintergrund wiegt die Warnung der Stiftung schwer: „Die vor 15 Jahren noch so starke Fertigung in Deutschland ist verschwunden. Das darf uns mit der Produktion von Windkraftanlagen, Wärmepumpen und Wechselrichtern nicht noch mal passieren“, mahnt Fingerhut. Der sich abzeichnende Kurswechsel in der Energiepolitik könnte „Tausende von Jobs“ kosten.

Wie empfindlich die Beschäftigung auf politische Signale reagiert, zeigt das Beispiel der Wärmepumpe. Auf das Rekordjahr 2023, in dem die Hersteller mehr als 350.000 Wärmepumpen absetzten, folgte ein Einbruch der Verkaufszahlen – angeheizt durch die Debatte um das Heizungsgesetz, die umstrittene Novelle des Gebäudeenergiegesetzes (GEG). 2024 brach der Absatz auf rund 190.000 Geräte ein, 2025 erholte er sich wieder auf knapp 300.000. Die Jobs bewegten sich im Gleichschritt, betont die Stiftung – die Zahlen reagierten „sensibel“.
Genau diese Empfindlichkeit macht die aktuellen Regierungspläne heikel. Im Zentrum steht Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU): Sie will die feste Einspeisevergütung für neue kleine Solaranlagen bis 25 Kilowatt-Peak zum 1. Januar 2027 streichen. Wer dann noch einspeist, bliebe auf die ungeförderte Direktvermarktung verwiesen – oder müsste den Strom komplett selbst verbrauchen. Beschlossen ist das noch nicht; der Kabinettsbeschluss wird für das zweite Halbjahr 2026 erwartet. Solche Schritte könnten Arbeitsplätze kosten, warnt die Stiftung – etwa wenn kleine Solaranlagen ihre Förderung verlieren oder Investoren angesichts unklarer Regeln zögern.
Die Stiftung fordert daher, die geplante Reformserie so zu gestalten, dass sie Arbeitsplätze sichert. Es gehe am Ende nicht allein um die Zahl der Stellen, sondern darum, ob die Wertschöpfung im Inland bleibt – oder ob sich die Geschichte der Solarmodule mit Windrädern, Wärmepumpen und Wechselrichtern wiederholt.

