Metallrecycling

Was bisher mehrere Hüttenprozesse verlangte, erledigt jetzt ein einziger Konverter. In Hamburg trennt Aurubis Kupfer, Blei und Schwefel in einem Aggregat – und soll Schrott aufnehmen, für den es kaum Abnehmer gibt.

Neuer Konverter: Aurubis trennt Kupfer, Blei und Schwefel auf einmal


Bis zu 1.400 Grad Celsius, Chargen von rund 45 Tonnen: In einem neuen Konverter in Hamburg trennt Aurubis Kupfer, Blei und Schwefel – Elemente, die im Einsatzmaterial chemisch gebunden vorliegen und sich mit klassischen Hüttenanlagen kaum restlos scheiden lassen. Was bisher mehrere Hüttenprozesse verlangte, erledigt nun ein Aggregat. Weltweit sei die Anlage die erste ihrer Art, so der Konzern.

Complex Recycling Hamburg: ein Konverter statt vieler Öfen

Getauft hat Aurubis die Anlage auf Complex Recycling Hamburg, kurz CRH. Neu ist weniger die Trennung selbst als ihr Zuschnitt: Was früher eine Kette einzelner Hüttenschritte durchlief, bündelt jetzt ein einziger Konverter.

Hinter dem neuen Verfahren steht ein betriebswirtschaftliches Kalkül. Mehr Material und mehr Wert sollen im eigenen Hüttennetzwerk bleiben, vorhandene Anlagen besser ausgelastet werden – was nach Lesart des Konzerns die Resilienz der Produktion erhöhe. Aurubis rechnet mit mehr als 30.000 Tonnen zusätzlichem Recyclingmaterial pro Jahr, dazu größere Mengen an Hüttenzwischenprodukten. Zurückgewonnen werden sollen Kupfer, Blei, Edelmetalle und Schwefelsäure.

Der Reiz liegt im Material selbst. Mit CRH lassen sich Recyclingmengen verarbeiten, für die es weltweit nur wenige Abnehmer gibt. Je komplexer die Zusammensetzung, desto schwieriger die Trennung und desto geringer die Konkurrenz. Genau solche Fraktionen soll die Anlage künftig aufnehmen.

Kupfernachfrage bis 2050: der Markt als Argument

Rund 190 Millionen Euro kostet das Vorhaben, das im März 2026 die erste Schmelze fuhr. Dass sich der Aufwand rechnet, begründet Aurubis mit dem Markt. „Die Nachfrage nach kritischen Rohstoffen wie Kupfer wächst weltweit stark“, sagt Tim Kurth, als Chief Operating Officer (COO) für den Bereich Custom Smelting & Products zuständig. „Wir brauchen daher besseren Zugang zu Recyclingmaterialien und mehr Innovationen in der Verarbeitung komplexer Materialien.“ Allein für Kupfer rechnen Fachleute damit, dass die weltweite Nachfrage bis 2050 auf gut 50 Millionen Tonnen steigt – von heute rund 28 Millionen.

Für Brüssel kommt die Anlage zur rechten Zeit. CRH gilt als Beitrag zum Critical Raw Materials Act (CRMA), der EU-Verordnung über kritische Rohstoffe. Sie ist seit Mai 2024 in Kraft und setzt für 2030 Zielmarken: 10 Prozent des EU-Bedarfs an strategischen Rohstoffen aus eigener Förderung, 40 Prozent aus Verarbeitung in der EU, 25 Prozent aus Recycling. Verbindlich ist keine dieser Marken; es sind Richtwerte, keine Quoten. Das gilt auch für die Recyclingquote – jenen Wert, an dem sich ein Projekt wie CRH messen lassen müsste. Kupfer immerhin zählt zu den 17 strategischen Rohstoffen der Verordnung.

Am politischen Rückenwind ändert das wenig. Finanziert wird CRH unter anderem über das erste Investitionsdarlehen, das die Europäische Investitionsbank (EIB) im Rahmen ihrer neuen Rohstoffstrategie vergab. Rund 200 Millionen Euro gewährte die Bank im September 2025 – Geld, das nicht nur nach Hamburg fließt, sondern auch die Kupferraffination im bulgarischen Aurubis-Standort Pirdop stützt. Nicola Beer, Vizepräsidentin der EIB, sieht in der Rohstoffsicherung und dem Ausbau europäischer Recyclingkapazitäten die Basis für Resilienz und Wettbewerbsfähigkeit – die Bank handele im Sinne des CRMA „zügig und entschlossen“.

CRH ist der jüngste Zug in einer längeren Partie. Seit einiger Zeit verbreitert Aurubis seine Recyclingbasis in Europa und in den USA. In Georgia hat der Konzern im vergangenen Herbst die Multimetallhütte Aurubis Richmond hochgefahren; die zweite Ausbaustufe soll noch in diesem Jahr folgen.

320°/re

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