Anlagensicherheit
Sieben von zehn geprüften Biogasanlagen weisen erhebliche Mängel auf: undichte Systeme, überfällige Prüfungen, entweichendes Methan. Die Deutsche Umwelthilfe spricht von systematischem Vollzugsversagen. Ihr Blick richtet sich auf Reiches Biomethan-Pläne.
71 Prozent der Biogasanlagen fallen bei Kontrollen durch
Die meisten geprüften Biogasanlagen halten nicht, was die Vorschriften verlangen. Ein Bericht der Kommission für Anlagensicherheit (KAS) kommt zu dem Ergebnis, dass rund 71 Prozent der kontrollierten Anlagen erhebliche Mängel aufweisen – undichte Gassysteme, fehlende oder überfällige Dichtheits- und Leckageprüfungen, nachgewiesene Methan-Leckagen an Gasspeichern. Selbst für nachgewiesene Lecks fehle der Beleg, dass sie beseitigt wurden.
Auffällig ist weniger der einzelne Befund als das Muster dahinter. Nach Darstellung der Deutschen Umwelthilfe (DUH) tauchten dieselben Defizite auch bei Wiederholungsprüfungen immer wieder auf.
Mängel an Biogasanlagen: Muster statt Einzelfall
Für die Umwelthilfe ist das mehr als eine Reihe von Einzelpannen. „Das sind keine einzelnen Behördenfehler – das ist systematisches Vollzugsversagen“, sagt DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch. Er spricht von einem „sicherheits- und klimapolitischen Offenbarungseid“: Seit fast zwei Jahrzehnten weise ein Großteil der geprüften Anlagen gravierende Mängel auf, und die Bundesregierung kenne die Missstände, ohne die Vorschriften durchzusetzen.
Die DUH fordert, die bestehenden Regeln konsequent anzuwenden. Nötig seien verpflichtende, regelmäßige Kontrollen durch unabhängige Prüfer.

Die Befunde treffen einen wunden Punkt der Energiepolitik. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche will Biomethan künftig eine größere Rolle im Gebäudebereich einräumen – ausgerechnet bei jenem Energieträger, dessen Anlagen der KAS-Bericht in der Mehrzahl als mangelhaft ausweist. Reiche wolle den gesetzlichen Ausbau ausweiten, ohne die seit Jahren bekannten Methan-Leckagen wirksam zu regulieren, kritisiert Resch.
Hinzu kommt ein Vorgang auf europäischer Ebene: Reiche habe zugesagt, eine Aussetzung der EU-Methanverordnung zu unterstützen – entgegen der abgestimmten Position der Bundesregierung. Für Resch ist das „Politik für die Gaslobby und gegen wirksamen Klima-, Umwelt- und Gesundheitsschutz“.
Methan-Lecks: Warum das Klimagas so schwer wiegt
Was an den Anlagen entweicht, ist kein harmloses Nebenprodukt. Methan (CH4) verantwortet knapp ein Drittel der heutigen Erderhitzung und ist damit nach Kohlendioxid der zweitgrößte Verursacher der menschengemachten Erderhitzung. Über einen kurzen Zeitraum betrachtet – im 20-Jahre-Horizont – wirkt es mehr als 80-mal so stark wie CO2.
Der Schaden bleibt nicht in der Atmosphäre. Methan ist eine Vorläufersubstanz für bodennahes Ozon, ein Reizgas, das Atemwegserkrankungen begünstigt und landwirtschaftliche Erträge mindert. Allein die Ernteverluste durch bodennahes Ozon summieren sich EU-weit auf rund zwei Milliarden Euro pro Jahr.