Schrottrecycling
Knapp drei Monate nach der Unterschrift ist der Verkauf vollzogen. Die chinesische Episode bei Scholz endet nach gut neuneinhalb Jahren. Derichebourg wächst mit der Übernahme deutlich.
Scholz gehört jetzt zu Derichebourg
Knapp drei Monate nach der Vertragsunterzeichnung ist der Verkauf abgeschlossen: Die Scholz Gruppe aus Essingen im Ostalbkreis gehört jetzt dem französischen Recycling- und Entsorgungskonzern Derichebourg Environnement. Das teilte Scholz mit. Damit endet nach gut neuneinhalb Jahren die Zugehörigkeit zur chinesischen Chiho Environmental Group. Angefangen hatte die Verbindung als Zugriff auf europäischen Schrott. Geendet hat sie, weil der Mutterkonzern Chiho seine Schulden nicht mehr bedienen konnte.
Den Preis für die Anteile nennt auch diesmal niemand. Den Unternehmenswert dagegen schon: 480 Millionen Euro, nach Angaben von Derichebourg das 6,5-fache des durchschnittlichen EBITDA der vergangenen drei Jahre. Anfang Mai hatten beide Seiten noch jede Zahl für sich behalten.
Scholz, gegründet 1872, setzte 2025 rund 1,6 Milliarden Euro um und beschäftigt mehr als 3.500 Menschen. Nach Angaben von Derichebourg vermarktete die Gruppe im vergangenen Jahr über drei Millionen Tonnen Material – Eisen- und Nichteisenmetalle, dazu Papier, Pappe und Kunststoffe. Die Rückkehr in europäische Eigentümerschaft und die Formung eines europäischen Branchenführers schafften „hervorragende Voraussetzungen“, um die Zukunft des Unternehmens langfristig zu sichern, teilt Scholz mit. Man verfolge gemeinsame Schwerpunkte, die Standortnetze ergänzten sich.
Chihos Rechnung ging nicht auf
Im Dezember 2016 übernahm Chiho einen der größten Sanierungsfälle, die die deutsche Wirtschaft damals zu bieten hatte – nach einem Schuldenschnitt, für einen symbolischen Euro. Über Scholz wollten sich die Chinesen Zugang zu europäischen Elektromotoren und gemischten Metallschrotten sichern und das Material in heimischen Werken aufbereiten. Chiho galt als größter Ankäufer alter Elektromotoren aus Europa.
Zwei Jahre später war das Geschäftsmodell gescheitert. Peking untersagte 2018 per Dekret den Import gemischter Recyclingmaterialien. Aus der Krise kam Chiho seitdem nicht mehr heraus: Verluste, Werksschließungen, eine Restrukturierung, die kaum von der Stelle kam. Im Frühjahr 2024 konnte der Konzern einen Großkredit nicht mehr bedienen. Im Sommer 2025 zog ein internationaler Kreditgeber Sicherheiten in Form von Anteilen an den Scholz-Holdinggesellschaften ein. Wenige Wochen später, im September 2025, war die komplette Scholz-Geschäftsführung ausgetauscht.
Umsatz steigt auf 5 Milliarden Euro
Für Derichebourg ist der Zukauf bedeutsam. Scholz allein entspricht rund der Hälfte der bisherigen Recycling-Erlöse des Konzerns. Im Geschäftsjahr bis Ende September 2025 kam Derichebourg auf 3,3 Milliarden Euro Umsatz, 7,5 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Gut 69 Prozent davon stammten aus dem Heimatmarkt Frankreich.
Diese Gewichtung kippt jetzt. Pro forma, also mit Scholz gerechnet, kommt der Konzern für 2025 auf 5,0 Milliarden Euro – der französische Anteil sinkt damit rechnerisch auf rund 46 Prozent. Aus 13 Ländern werden 17, aus rund 5.400 Beschäftigten 8.800. Dazu kommen mehr als 100 Recyclingzentren von Scholz – in Deutschland, Tschechien, Polen und Slowenien, Regionen, in denen Derichebourg bislang kaum präsent war.


