CO2-Bilanzierung

Mindestens zehn Prozent weniger – erst dann gilt ein BASF-Kunststoff als CO2-reduziert. Grüner Strom und erneuerbarer Dampf sollen das leisten. Bei einem Bosch-Produkt zeigt sich, um wie viele CO2-Äquivalente der Fußabdruck sinkt.

BASF verspricht Kunststoff mit kleinerem CO2-Fußabdruck

Großtank mit BASF-Logo an einem Chemiestandort – der Konzern bietet CO2-reduzierten Kunststoff an.

In Schrems im niederösterreichischen Waldviertel fertigt Eaton die Schlüsselkomponenten für Leitungsschutzschalter. Der Konzern mit Hauptsitz in Dublin setzte 2025 rund 27,4 Milliarden US-Dollar um und verdient den größten Teil davon mit Elektrotechnik – Schutzschalter, Schaltanlagen, unterbrechungsfreie Stromversorgungen, Stromverteilung. Zusammengebaut wurden die Schalter bislang extern und von Hand. Seit Mitte 2025 entsteht am Standort eine Anlagenkette, die den gesamten Prozess vom Rohstoff bis zum geprüften und verpackten Schalter übernehmen soll – bis zu 20 Millionen Schalter im Jahr sollen dort produziert werden.

In diesen Schaltern steckt Kunststoff, und an genau dieser Stelle setzt eine zweite Umstellung an: Nach Angaben von BASF laufen in Schrems erste Implementierungen von Materialien mit reduziertem Product Carbon Footprint, also mit verringertem produktbezogenem CO2-Fußabdruck. Der Chemiekonzern bündelt sein Angebot unter dem Namen Engineering Plastics Sustainability Toolbox. Zentraler Baustein darin: Green Energy Manufacturing.

Bei diesem Verfahren würden technische Kunststoffe unter Einsatz erneuerbarer Energieträger hergestellt, erklärt das Unternehmen: Strom, Dampf und Wärme. Fossile Energieträger wie Erdgas würden durch nachhaltige Alternativen ersetzt, die physische Produktqualität bleibe unverändert. Erneuerbaren Dampf und erneuerbare Wärme erzeuge BASF etwa aus grünem Strom – über elektrische Boiler und Wärmepumpen –, aus Prozessabwärme oder aus Biomethan, das fossiles Methan ersetzt.

Für den Verarbeiter ist das eine Drop-in-Lösung: Die Produktionsprozesse bleiben unverändert, der Fußabdruck des eingekauften Materials sinkt trotzdem. Der Hebel zielt auf Scope 3.1 – die Emissionen aus eingekauften Gütern und Dienstleistungen, die nach Darstellung von BASF entlang der Wertschöpfungskette eine große Herausforderung seien.

Als Produkt mit reduziertem CO2-Fußabdruck gilt bei BASF ein Material, das aktive Maßnahmen zur Emissionsminderung enthält und dessen Cradle-to-Gate-Fußabdruck – also von der Rohstoffgewinnung bis zum Werkstor – mindestens 10,0 Prozent unter dem eines vergleichbaren konventionellen BASF-Produkts liegt. Der Einsatz erneuerbarer Energie erfolgt dabei teilweise auf Basis des Chain-of-Custody-Modells „Mass Balance (Credit Method)“.

Die Credit-Methode ist ein Buchführungsverfahren. Der grüne Strom fließt also nicht zwangsläufig in genau die Anlage, aus der das gelieferte Granulat stammt. Die Eigenschaft wird rechnerisch zugeordnet.

Was die CO2-Bilanz der Kunden hergibt

Konkret wird es bei Bosch. Für ein bei BASF eingekauftes rPCF-Produkt wird bei der Bezugsmenge des Jahres 2026 ein um voraussichtlich rund 1.000 Tonnen CO2-Äquivalente kleinerer Fußabdruck erwartet. Alle Anwender der Engineering-Plastics-Lösungen zusammen hätten ihren Fußabdruck 2025 um rund 2.000 Tonnen pro Jahr gesenkt.

Neben Green Energy Manufacturing gehören auch mechanisches Recycling mit hochwertigen Rezyklaten und Massenbilanzlösungen auf Basis alternativer Rohstoffe zur Toolbox. Beim Rezyklat ändert sich das Material tatsächlich. Bei den anderen beiden Wegen wird zumindest ein Teil des Effekts rechnerisch zugeordnet.

320°/re

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