Kunststoffrecycling
Kunststoffrecycler in Europa stoppen ihre Investitionen. Beim Anlagenbauer Erema fehlen dadurch binnen eines Jahres 95 Millionen Euro Umsatz. Anderswo setzt die Politik Vorgaben – und der Ausbau geht deutlich schneller.
Erema: Umsatz bricht um 28 Prozent ein
Wie stark die Zurückhaltung durchschlägt, zeigt die Umsatzzahl. 235 Millionen Euro meldet der österreichische Hersteller von Kunststoffrecyclinganlagen für das vergangene Geschäftsjahr, das Ende März endete. Ein Jahr zuvor waren es 330 Millionen – ein Minus von 28 Prozent oder rund 95 Millionen Euro. Profitabel sei das Jahr dennoch gewesen, teilt das Unternehmen mit, ohne Zahlen zu nennen.
Dahinter liegt ein Markt, der inzwischen das dritte Jahr in Folge unter Druck steht. Hohe Energiekosten, eine schwache Nachfrage nach Rezyklaten und internationale Konkurrenz treffen die Branche gleichzeitig. Viele Kunden verschöben ihre Investitionen, sagt Finanzchef Horst Wolfsgruber, das spüre man unmittelbar. Für europäische Standorte sei das eine Herausforderung, ergänzt Erema-CEO Manfred Hackl: „Wir haben in Europa eine Kostenstruktur aufgebaut, die Industriebetriebe im internationalen Wettbewerb zunehmend benachteiligt.“
Europa bleibt der Anker, Asien holt auf
Als international aufgestelltes Unternehmen kann Erema die europäische Schwäche zum Teil über Aufträge in anderen Regionen ausgleichen. Der stärkste Markt bleibt Europa trotzdem – hier sei Recycling traditionell zu Hause, so Hackl. Andere Regionen zögen aber nach: Asien sei auf dem Vormarsch, in Amerika nehme vor allem das Recycling von Produktionsabfällen an Fahrt auf. Afrika liege noch auf dem vierten Platz, dort werde die Nachfrage nach Kunststoffen in den kommenden Jahren aber am deutlichsten steigen – und mit ihr der Bedarf an Recyclinglösungen.
Welche Größenordnung dahintersteht, zeigt eine Prognose der OECD. Der weltweite Kunststoffbedarf wird sich demnach von 460 Millionen Tonnen im Jahr 2019 auf 1,2 Milliarden Tonnen im Jahr 2060 verdreifachen. Selbst im Basisszenario der OECD, das ohne zusätzliche politische Maßnahmen rechnet, steigt der Rezyklatanteil an allen eingesetzten Kunststoffen bis 2060 auf zwölf Prozent. In absoluten Zahlen sind das rund 150 Millionen Tonnen pro Jahr – gut fünfmal so viel wie die 29 Millionen Tonnen, die 2019 weltweit als Rezyklat produziert wurden. Mehr wäre nur zu holen, wenn Infrastruktur und Anlagentechnik in großem Stil ausgebaut werden.
An der Technologie liege es nicht, sagt Hackl. Kunststoffrecycling funktioniere heute in vielen Anwendungen bereits gut – anders als häufig angenommen. Die zentrale Frage sei, wie sich mehr und anspruchsvollere Materialströme in konstant hoher Qualität im Kreislauf halten ließen. Stark schwankende Eingangsmaterialien verlangten robuste Systeme; entscheidend seien Filtration, Entgasung und ein tiefes Prozessverständnis.
China und Indien als Wachstumsmärkte
Wo Erema künftig wachsen will, zeigt eine Beteiligung vom Oktober 2025: Der australische Anbieter BlockTexx hat ein Verfahren entwickelt, das Polyester und Cellulose aus Mischgeweben trennt. Der Markt dahinter ist groß: Die PET-Faserindustrie ist dreimal so groß wie die Flaschenindustrie. Die Recyclingquote für Polyester liegt bislang bei rund einem Prozent.
Um den steigenden Kunststoffbedarf künftig stärker über Recycling zu decken, brauche es verlässliche Regeln, die Investitionen ermöglichen, so Erema. Vorgaben wie die europäische Verpackungsverordnung PPWR oder die Altfahrzeugverordnung setzten wichtige Impulse, sagt Hackl. Entscheidend sei aber, dass sie klar, verlässlich und europaweit harmonisiert umgesetzt würden. Ohne verlässliche Umsetzung werde nicht investiert.
Anderswo geht es schneller. China und Indien erkennen laut Erema zunehmend, welche Rolle die Kreislaufwirtschaft für Rohstoffversorgung und Wettbewerbsfähigkeit spielt, und bauen ihre Recyclingwirtschaft mit eigenen Vorgaben und Initiativen aus. Erema ist dort bereits präsent: In Shanghai sitzt seit 2001 eine Niederlassung, im Februar 2026 kam gemeinsam mit Lindner Washtech die Vertriebs- und Servicegesellschaft Erema India dazu. Weitere Standorte gibt es in Nordamerika, Südafrika und Thailand.


