Kreislaufwirtschaft
Seit 2022 filtert das Fraunhofer IKTS Wertstoffe aus Industrieabwasser am Gemeinschaftsklärwerk Bitterfeld-Wolfen. Jetzt folgt die nächste Stufe: Technikum und Pilotanlagen im Chemiepark.
Fraunhofer baut Reststoff-Technikum im Chemiepark
Wer im Chemiepark Bitterfeld-Wolfen ein Verfahren erproben will, findet dort passable Voraussetzungen: Labor- und Technikumsflächen im Technologie- und Gründerzentrum und ein Gemeinschaftsklärwerk, das industrielle und kommunale Abwässer gemeinsam behandelt – reale Stoffströme statt Modelllösungen. Schwierig wird es trotzdem beim Übergang vom Laborversuch in den industriellen Maßstab.
Für diesen Übergang baut das Fraunhofer IKTS nun eine eigene Forschungsinfrastruktur. Das Fraunhofer-Institut für Keramische Technologien und Systeme (IKTS) hat im Chemiepark seine Technologieplattform für Kreislaufwirtschaft und Verfahrenstechnik (TKV) eingeweiht. Angesiedelt ist die Plattform seit dem 1. Juli im Technologie- und Gründerzentrum Bitterfeld-Wolfen, Labore und Technika entstehen in den kommenden vier Jahren.
Viele technologische Innovationen scheiterten beim Übergang vom Labor in den industriellen Maßstab, sagt Daniela Pufky-Heinrich, die am IKTS das Center for Economics and Management of Technologies leitet. In Sachsen-Anhalt, geprägt von traditionsreicher chemischer Industrie und agilen KMU, schließe man eine strategisch wichtige Lücke.
Vier Felder, ein Technikum
Nach Angaben des IKTS konzentriert sich die Plattform auf vier Technologiefelder: Membrantechnik, Hydrometallurgie, Online-Sensorik samt Prozessdigitalisierung sowie Bioökonomie und Controlled Environment Agriculture. Kern des Vorhabens ist der Aufbau einer Versuchs- und Demonstrationsplattform mit einem flexibel nutzbaren Spin-in-Technikum und modularen Pilotanlagen. Ein TransferHub soll als Anlaufstelle für Unternehmen dienen.
Ein Schwerpunkt liegt auf membranbasierten Verfahren für komplexe Prozess- und Abwässer, ein zweiter auf der Rückgewinnung kritischer Rohstoffe aus festen und flüssigen Reststoffen. In einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft seien industrielle Reststoffe und auch Prozesswässer kein Abfall, sondern Wertstoffe, sagt Burkhardt Faßauer, Abteilungsleiter Kreislauftechnologien und Wasser am IKTS. Ziel sei es, diese Stoffe so aufzubereiten, dass sie im Chemiepark, in benachbarten Industrien oder in anderen Anwendungen wieder eingesetzt werden könnten. Das spare Ressourcen und senke Entsorgungskosten.
Der Ansatz umfasst anorganische wie organische Reststoffe – über letztere reicht er auch in die Bioökonomie Sachsen-Anhalts hinein. Dazu kommen keramische Sensoren, die unter anderem korrosionsgefährdete Behälter und Rohrleitungen überwachen sollen, auch unter extremen Industriebedingungen; datenwissenschaftliche Algorithmen sollen die Daten auswerten.
Am Standort ist das IKTS kein Neuling. Seit 2022 betreibt das Institut auf dem Gelände des Gemeinschaftsklärwerks Bitterfeld-Wolfen eine Versuchsplattform aus modularen Containern, in denen sich Verfahren zur Reinigung und Wertstoffrückgewinnung unter realen Bedingungen testen lassen.
