Rezyklateinsatz

Post-Consumer-Polystyrol bringt Rückstände mit, die im Bauteil landen können. Der Kunststoffverarbeiter Agoform investierte in einen neuen Schmelzfilter. Die Folge: Das Unternehmen kann nun fast doppelt so viel Rezyklat einsetzen.

Ein Filter, der die Rezyklatmenge fast verdoppelt


Sauber kommt aus der Sammlung nur selten etwas. Aufbereiter trennen Metalle und Papier ab, waschen, zerkleinern und trocknen den Rest und machen daraus Regranulat. Rückstände bleiben trotzdem. Eine im Auftrag des Umweltbundesamts erstellte Potenzialanalyse nennt Glassplitter, Metalle und Fremdkunststoffe, die im Rezyklat verbleiben und die Anlagen der Verarbeiter schädigen können; zusätzliche Filter können die Schmelze ein zweites Mal reinigen.

Bei der Agoform GmbH in Löhne läuft das Material jetzt durch einen kontinuierlichen Schmelzfilter. Das Unternehmen stellt Schubkasteneinsätze und Antirutschmatten aus Kunststoff her und beschäftigt rund 160 Mitarbeitende; nach eigenen Angaben ist es europaweit führend bei Schubkasteneinsätzen aus Kunststoff und weltweit der größte Hersteller von Antirutschmatten.

Der Filter entfernt Verunreinigungen aus der Schmelze, sodass Post-Consumer-Rezyklate aus Polystyrol Primärrohstoffe ersetzen können, ohne die Produktqualität zu beeinträchtigen. Die Rezyklatmenge, die das Unternehmen im Jahr verarbeitet, stieg dadurch von 168 auf 325 Tonnen.

Die zweite Anlage setzt an der Dichte an. Eine physikalische Schäumanlage, installiert an einem bestehenden Extruder, schäumt die Unterschicht der Polystyrolplatten auf. Die Produkteigenschaften bleiben unverändert, der Materialeinsatz sinkt um rund 39 Tonnen im Jahr.

Der Zuschuss hängt an der Einsparung

Zusammengenommen sinken die Treibhausgasemissionen des Unternehmens um rund 527 Tonnen CO2-Äquivalente pro Jahr, die Produktionskosten um rund 110.500 Euro.

Für die Investitionen erhielt Agoform einen Zuschuss von 161.797 Euro aus der Bundesförderung für Energie- und Ressourceneffizienz in der Wirtschaft, Modul 4. Das Geld kommt aus dem Bundeswirtschaftsministerium, abgewickelt wird es vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle.

Modul 4 zielt technologieoffen auf die energie- und ressourcenbezogene Optimierung von Anlagen und Prozessen und ist zweigeteilt: Die Basisförderung verlangt, dass der Endenergiebedarf durch den Anlagentausch um mindestens 15 Prozent sinkt; in der Premiumvariante muss ein Einsparkonzept die Treibhausgaseinsparung beziffern. Die Effizienz-Agentur NRW (efa) begleitete das Unternehmen im Rahmen ihrer Beratung Finanzierung bei der Identifikation geeigneter Förderprogramme und bei der Antragstellung.

Ziel sei es, bis 2030 mindestens in Scope 1 und 2 klimaneutral zu produzieren und Scope 3 möglichst zu halbieren, sagt Geschäftsführer Jan Ottensmeyer. Dafür investiere das Unternehmen gezielt in Technologien, die Ressourcenschonung, Wirtschaftlichkeit und Produktqualität miteinander verbänden. „Die jetzt umgesetzten Maßnahmen zeigen, dass nachhaltige Kunststoffproduktion bereits heute wirtschaftlich realisierbar ist.“

320°/re

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