Straßengüterverkehr
An deutschen Verkehrskorridoren sollen bis 2030 rund 4.200 öffentliche Ladepunkte für schwere Lkw stehen. In Betrieb sind bislang 355. Der VDA sieht darin den zentralen Engpass für den Markthochlauf – und mahnt Tempo an.
E-Lkw: Erst 355 von 4.200 Ladepunkten am Netz
Gut vier Jahre bleiben, um aus 355 Ladepunkten 4.200 zu machen. So viele öffentliche Ladepunkte für schwere Nutzfahrzeuge sieht die Nationale Leitstelle Ladeinfrastruktur bis 2030 in Deutschland vor. Im Juli waren nach Angaben des Verbands der Automobilindustrie (VDA) 88 Standorte mit 355 Ladepunkten in Betrieb. Das sei sehr weit von der Notwendigkeit entfernt, teilte der Verband mit.
Die unzureichende Ladeinfrastruktur ist für VDA-Präsidentin Hildegard Müller der „zentrale Engpass für den Markthochlauf elektrischer Nutzfahrzeuge“. Die Fahrzeuge stünden bereit: Die deutsche Nutzfahrzeugindustrie liefere bereits emissionsfreie Lösungen. Für den flächendeckenden Einsatz batterieelektrischer Lkw im Fernverkehr reichten aber weder die vorhandenen Stationen noch die Ausbaupläne auf nationaler und europäischer Ebene aus. Auch der schleppende Ausbau der Stromnetze stehe einer schnellen Transformation des Straßengüterverkehrs im Weg.
Weniger als ein Zehntel steht
Vorgesehen sind bis 2030 hierzulande 350 öffentliche Standorte an wichtigen Verkehrskorridoren, vor allem an Rastanlagen. Dort sollen 1.800 besonders leistungsstarke Ladepunkte nach dem Megawatt Charging System (MCS) entstehen, dazu 2.400 Ladepunkte mit geringerer Leistung. „Aktuell ist weniger als ein Zehntel der geplanten Ladepunkte in Betrieb“, sagte Müller. Die Bundesregierung habe grundsätzlich die richtigen Hebel in Bewegung gesetzt, „jetzt aber gilt es, den Ausbauturbo zu zünden“ – Deutschland dürfe seine selbst gesteckten Ziele nicht verfehlen.
Dem Verband reicht allerdings auch dieser Plan nicht mehr. Im Fernverkehr könnten E-Lkw-Fahrer die gesetzlich vorgegebenen Lenk- und Pausenzeiten nur mit superschnellen MCS-Säulen bestmöglich einhalten, argumentiert der VDA. Für 2030 rechnet er deshalb mit einem Bedarf von rund 4.000 Megawatt-Ladesäulen in Deutschland: mehr als das Doppelte dessen, was die Leitstelle an MCS-Punkten eingeplant hat. Schnellladeinfrastruktur und Stromnetze müssten gemeinsam ausgebaut werden.
Lücken auf den Transitrouten
Europaweit sieht der Verband dieselbe Schieflage. Im Juli standen dort 730 Ladepunkte mit mehr als 350 Kilowatt Leistung ausschließlich für schwere Nutzfahrzeuge zur Verfügung. Der Branchenverband Acea schätzt den Bedarf bis 2030 auf rund 35.000 öffentliche Schnellladepunkte. Die bisherigen EU-Regularien reichten dafür nicht aus, sagte Müller; sie müssten stärker an den tatsächlichen Markthochlauf gekoppelt werden.
Hinzu kommt die ungleiche Verteilung, die die Routenplanung erschwert. Große Lücken gebe es etwa in Transitländern wie Polen und Tschechien – also ausgerechnet dort, wo ein erheblicher Teil des europäischen Fernverkehrs durchrollt.
Bis zu zehn Jahre auf einen Netzanschluss
Der größere Brocken liegt nach Rechnung des VDA ohnehin abseits der Autobahn. Von den bis 2030 in Deutschland benötigten knapp 14 Gigawatt Ladeleistung decken die öffentlichen Ausbaupläne demnach lediglich 2,6 Gigawatt ab. Mehr als elf Gigawatt müssten die Unternehmen selbst auf ihren Betriebshöfen bereitstellen. „Bislang sind die für Unternehmen erforderlichen Netzanschlüsse jedoch mit hohen Kosten, langen Genehmigungsverfahren und erheblichen Unsicherheiten verbunden“, teilte Müller mit.
Bei Industriebetrieben und großen Lkw-Ladehubs könne die Erweiterung der Netzanschlüsse teilweise bis zu zehn Jahre dauern. Das sei nicht hinnehmbar und bremse die Transformation erheblich, so die Verbandspräsidentin. Das sogenannte Depotladen auf Firmengeländen müsse schnell und unbürokratisch vonstattengehen.