Sammelquote

Gold, Silber, Kupfer, Lithium: In Altgeräten steckt mehr als Schrott. Gemessen an dem, was neu auf den Markt kommt, kehren nicht einmal 30 Prozent zurück. Die Umwelthilfe beziffert, was ein Umbau des Elektrogesetzes zurückholen könnte.

Elektroschrott: Sammelziel zum siebten Mal verfehlt

Gestapelte Gitterboxen voller Altgeräte wie PCs, Tastaturen und Drucker – Deutschlands Elektroschrott-Sammelquote liegt bei 29,8 Prozent

Knapp 960.000 Tonnen Elektroschrott haben Kommunen, Handel und Hersteller 2025 in Deutschland eingesammelt. Das zeigen vorläufige Zahlen der Stiftung Elektro-Altgeräte Register (stiftung ear). Damit kommt Deutschland auf eine Sammelquote von 29,8 Prozent und verfehlt bereits das siebte Jahr in Folge die vorgeschriebene Sammelquote von 65 Prozent.

Die Sammelquote setzt die erfasste Menge ins Verhältnis zum Durchschnittsgewicht der Geräte, die in den drei Vorjahren in Verkehr gebracht wurden. Seit 2019 gilt die Marke von 65 Prozent, erreicht hat Deutschland sie in keinem einzigen Jahr: 44,3 Prozent 2019, 38,6 Prozent 2021, 31,7 Prozent 2022, 29,5 Prozent 2023, vorläufig 28,7 Prozent 2024. Um das Ziel zu erfüllen, wären 2025 rund 2,1 Millionen Tonnen nötig gewesen. Eingesammelt wurde weniger als die Hälfte davon.

Auf der Marktseite zeigt die Kurve dagegen nach oben. Jahr für Jahr kämen mehr als drei Millionen Tonnen neue Elektrogeräte hinzu, rechnet die Deutsche Umwelthilfe (DUH) vor. Die amtlichen Zahlen stützen das: 2,59 Millionen Tonnen 2019, 3,26 Millionen 2022, 3,24 Millionen 2023. Das Elektrogesetz erfasst fast alles Elektrische, vom konfektionierten Stromkabel bis zur Wärmepumpe.

Grafik: picture alliance/dpa-Infografik

Wo die nicht erfassten Geräte bleiben, lässt sich nur indirekt rekonstruieren. Das Umweltbundesamt nennt drei Wege: den Restmüll, die Hortung in Schubladen und Kellern und die Abholung durch nicht zertifizierte Sammler. An der Behandlung liegt es dagegen nicht – von der Menge, die überhaupt in die Erstbehandlung gelangt, wurden 2024 nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 84,3 Prozent recycelt oder zur Wiederverwendung vorbereitet. Der Verlust entsteht also davor.

Verloren gehen damit Rohstoffe. Altgeräte seien kein Müll, sondern enthielten kritische Rohstoffe wie Gold, Silber, Kupfer, Aluminium oder Lithium, sagt Barbara Metz, Bundesgeschäftsführerin der Deutschen Umwelthilfe (DUH). Eine bessere Sammlung schütze nicht nur die Umwelt, sondern mache Deutschland auch unabhängiger von internationalen Rohstoffimporten. „Die Sammlung von Elektroschrott steckt in einer Krise“, so Metz. Deutschland verfehle die gesetzlichen Ziele „das siebte Jahr in Folge krachend“.

Wer für die Sammelquote zuständig ist

Die DUH fordert deshalb von Bundesumweltminister Carsten Schneider eine grundlegende Reform des Elektrogesetzes. Kern ihres Vorschlags ist eine vollständige Herstellerverantwortung: Die Unternehmen sollen die Einhaltung der Sammelquoten sicherstellen und dafür die volle Verantwortung übernehmen, so wie bei Verpackungen und Batterien. Bislang verteilt das Gesetz die Aufgabe auf Kommunen, Handel und Hersteller: Die kommunalen Entsorgungsträger richten die Sammelstellen ein und stellen die Behältnisse, größere Händler nehmen Altgeräte zurück, die Hersteller lassen die Behältnisse abholen und tragen die Kosten für Abholung und Entsorgung.

Am Kern ändert das nichts: Die Quote bleibt eine geteilte Aufgabe, und für ihr Verfehlen sieht das Elektrogesetz keine Sanktion vor. Druck kommt bislang von außen – die EU-Kommission leitete im Juli 2024 gegen 24 Mitgliedstaaten Vertragsverletzungsverfahren wegen verfehlter Elektroschrott-Sammelziele ein, Deutschland darunter.

Was ein echter Umbau bringen könnte, beziffert die Umwelthilfe in großen Zahlen: bis zu 810.000 Tonnen zusätzlich zurückgewonnene Rohstoffe pro Jahr, ein Wert von mehr als zwei Milliarden Euro, bis zu 39.000 neue Arbeitsplätze. Grundlage ist eine Studie der cyclos GmbH und des Öko-Instituts im Auftrag der DUH vom September 2025; den Klimaeffekt beziffert die Umwelthilfe zusätzlich auf 1,9 Millionen Tonnen vermiedene CO2-Emissionen. Die Rechnung steht und fällt mit der Sammelmenge. Und die war schon höher: 2020 wurden 1,04 Millionen Tonnen erfasst, rund acht Prozent mehr als heute.

320°/sr

Mehr zum Thema
EU-Projekt zielt auf kritische Rohstoffe aus Elektroschrott
Studie: Milliardenwerte in Europas Elektroschrott ungenutzt