Konjunktur
Iran-Krieg und Niedrigwasser in den Flüssen – die Konjunktur steckt die Störfeuer der vergangenen Wochen weg. Das Ifo-Institut traut der Wirtschaft in diesem Jahr 1,4 Prozent Wachstum zu. Besonders die Industrie könnte profitieren.
Hoffnung für die Wirtschaft: Ifo erhöht Prognose deutlich
Die Industrie war zuletzt das Sorgenkind der deutschen Konjunktur: US-Zölle auf der Exportseite, chinesische Konkurrenz auf den Weltmärkten, ein Energiepreisschock im Rücken. In der neuen Prognose des Ifo-Instituts taucht ausgerechnet sie als Hoffnungsträger auf. „Lichtblicke zeigen sich insbesondere in der krisengeplagten Industrie“, heißt es in dem Papier.
Die Münchner Wirtschaftsforscher haben ihre Erwartungen für das laufende Jahr überraschend deutlich angehoben: 1,4 Prozent Wachstum des Bruttoinlandsprodukts, 0,6 Prozentpunkte mehr als bisher. Auch für das kommende Jahr fällt die Schätzung mit 1,2 Prozent freundlicher aus. Die Industrie selbst könnte ihre Wirtschaftsleistung demnach um 1,8 Prozent steigern.
Mit der Korrektur reihen sich die Münchner in die optimistischeren Einschätzungen anderer Institute ein. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung hatte erst am Vortag nachgezogen und seine Juni-Prognose von 0,5 auf 1,2 Prozent mehr als verdoppelt.

Für den Umschwung macht das Ifo-Institut zwei Kräfte verantwortlich: das schuldenfinanzierte Investitionspaket der Bundesregierung und eine gestiegene Nachfrage aus dem Ausland. Beide hätten „konjunkturell die Oberhand gewonnen und so stärkere Bremsspuren durch den Energiepreisschock verhindert“, heißt es in der Prognose. Robust zeige sich die Konjunktur auch gegenüber den „Störfeuern“ der vergangenen Wochen – die Ökonomen zählen dazu den Iran-Krieg ebenso wie das Niedrigwasser in den Flüssen.
Am Arbeitsmarkt kommt davon vorerst nichts an. Einen Rückgang der Arbeitslosigkeit erwarten die Münchner in diesem Jahr nicht.
Was der Aufschwung kostet
Wachstum auf Pump hat jedoch einen Preis, und der steht in der Finanzierungsrechnung des Staates. Das Defizit könnte von drei Prozent des BIP im vergangenen Jahr bis 2028 auf 4,6 Prozent anschwellen. Auch die Preise ziehen an: 2,8 Prozent Teuerung erwartet das Institut für dieses Jahr, 2027 dann drei Prozent. Beide Werte liegen deutlich über dem Zwei-Prozent-Ziel der Europäischen Zentralbank.



