E-Schrott-Recycling

Kobalt, Tantal, Seltene Erden: In Laptops, WLAN-Boxen und E-Scootern steckt, was Europa importiert. Ein EU-Projekt will neun kritische Rohstoffe zurückholen – per Roboterdemontage und Hydrometallurgie.

EU-Projekt zielt auf kritische Rohstoffe aus Elektroschrott


In Kellern, Abstellräumen und Büroschränken quer durch Europa stapeln sich ausrangierte Laptops, defekte WLAN-Router und alte E-Scooter. Was nach Sperrmüll aussieht, ist in Wahrheit ein Rohstofflager. In den Leiterplatten und Permanentmagneten dieser Geräte stecken Kupfer, Kobalt, Nickel, Tantal, Antimon, Bor und Seltene Erden – Materialien, auf deren Import die europäische Industrie zu großen Teilen angewiesen ist. An dieses Lager will das Forschungsprojekt Circuit4EU heran, gestartet im Juni 2026.

Koordiniert wird das Horizon-Europe-Vorhaben von der französischen Ingenieurhochschule Arts et Métiers (ENSAM). Beteiligt sind 21 Partner aus neun Ländern: Frankreich, das Vereinigte Königreich, die Schweiz, Belgien, Italien, Spanien, Slowenien, Nigeria und Kolumbien. Neben Hochschulen und Forschungsinstituten sitzen Industrie- und Technologieunternehmen am Tisch, dazu Normungsgremien, spezialisierte Mittelständler und mehrere Herstellerverantwortungsorganisationen. Für Kommunikation und den Austausch mit der Branche ist das WEEE Forum zuständig, der internationale Dachverband dieser Organisationen. 42 Monate hat das Konsortium Zeit, bis Ende November 2029.

Ein Viertel aus dem Kreislauf

Den Rahmen setzt das EU-Gesetz über kritische Rohstoffe, der Critical Raw Materials Act: Bis 2030 soll mindestens ein Viertel des jährlichen EU-Verbrauchs an kritischen Rohstoffen aus Recycling stammen. Von diesem Ziel ist die Realität weit entfernt. Große Mengen der in Elektrogeräten verbauten Metalle landen nach wie vor ungenutzt im Elektroschrott. Circuit4EU nimmt sich neun der 34 von der EU als kritisch eingestuften Rohstoffe vor: Kupfer, Kobalt, Nickel, Antimon, Tantal, Bor, die Platingruppenmetalle sowie leichte und schwere Seltene Erden, die in der EU-Liste getrennt geführt werden.

Erprobt werden die Verfahren an vier alltäglichen Produktgruppen: Laptops, WLAN-Router, E-Scooter und Geschirrspüler. Über die Projektlaufzeit sollen zehn Technologien bis zur Reifestufe TRL 7 gebracht werden – die Stufe, auf der ein Verfahren als Prototyp erstmals in einer echten Einsatzumgebung läuft. Dazu zählen robotergestützte Demontage, Entlöten, hydrometallurgisches Recycling, digitale Produktpässe und eine KI-gestützte Qualitätskontrolle.

Circuit4EU soll zeigen, dass sich diese Metalle im großen Maßstab zurückholen lassen – und dass darauf eine wirklich zirkuläre Elektronikindustrie aufbauen kann. Bislang treibt das Angebot an Primärmaterial den Markt: Was gefördert wird, bestimmt, was verfügbar ist. Künftig sollen Refurbisher und Recycler in Echtzeit sehen, wo welche kritischen und strategischen Rohstoffe im Umlauf sind, und hochwertige Bauteile auf Abruf bestellen können. So soll sich der Kreislauf europaweit schließen.

„Kritische Rohstoffe stecken in Millionen von Laptops, Routern, E-Scootern und Haushaltsgeräten, die Europa längst besitzt“, sagt Projektkoordinator Nicolas Perry von Arts et Métiers. „CIRCUIT4EU soll beweisen, dass sich die Bergung in großem Maßstab nicht nur technisch machen lässt, sondern die Grundlage einer wirklich zirkulären Elektronikindustrie ist.“

320°/hk

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