Mineralwolle-Recycling
Österreichs Deponien machen für Mineralwolle bald dicht. Wohin dann mit der alten Dämmwolle? Knauf Insulation hat in Kärnten die Genehmigung für eine Antwort – eine 30-Millionen-Euro-Anlage, die noch dieses Jahr anlaufen soll.
Baugenehmigung erteilt: Knauf recycelt bald Dämmwolle
Alte Dämmwolle ist sperrig, leicht und bislang vor allem eins: ein Entsorgungsfall. Wer sie bei einer Sanierung aus dem Dachstuhl reißt, füllt damit schnell einen Container – und fährt ihn zur Deponie. Im Kärntner Ferndorf soll dieser Weg künftig woanders enden.
Dort errichtet Knauf Insulation die erste Anlage Österreichs, die Mineralwolle wieder zu Rohstoff macht. Die Baugenehmigung liegt nun vor, die Inbetriebnahme ist noch für dieses Jahr geplant – wenige Monate, bevor das Deponieverbot greift. 30 Millionen Euro investiert der Baustoffkonzern in den Standort.
Aufbereitet wird dort Mineralwolle – also Glaswolle und Steinwolle – aus Bau, Sanierung und Rückbau, um sie anschließend als Rohstoff zurück in die Produktion zu bringen. Auf die Region beschränkt ist die Anlage dabei nicht: Sie soll Material aus ganz Österreich verarbeiten.
Big Bags statt Container
Damit das Material überhaupt in Ferndorf ankommt, baut Knauf gemeinsam mit dem Partner ABCO Abfallconsulting ein österreichweites Sammelsystem auf. Bestellen lässt sich schon heute, knapp vier Monate vor dem Stichtag: Über die Plattform mineralwolle-recycling.com gibt es sogenannte Big Bags – für private Bauherren ebenso wie für Bauunternehmen. Abholung und Logistik zum Standort übernimmt ABCO, dazu das Qualitätsmanagement: Übernahmekontrollen sollen die Materialqualität entlang des gesamten Prozesses absichern.
Für größere Mengen entsteht ab Spätsommer 2026 ein zusätzliches Netz an Übernahmestellen im ganzen Land. Dort lassen sich Big Bags dann getrennt nach Glaswolle, Steinwolle und Tektalan zurückgeben: Glas- und Steinwolle landen im Schmelzverfahren, Tektalan – eine Verbundplatte aus Steinwolle und einer Holzwolle-Deckschicht – wird laut Betreiberangaben überwiegend thermisch verwertet.
Granulat für ein Werk in Slowenien
Kernstück der Anlage ist ein patentiertes Schmelzverfahren, mit dem die gesammelte Mineralwolle zu einem Granulat verarbeitet wird. Dieses Granulat lässt sich ohne weitere Aufbereitung als Rohstoffersatz einsetzen – etwa im rund 125 Straßenkilometer entfernten Knauf-Insulation-Werk im slowenischen Škofja Loka, das über die Karawanken erreichbar ist.
Joachim Wieltschnig, Geschäftsführer der neuen Anlage, nennt das Projekt einen wichtigen Schritt hin zur Kreislaufwirtschaft mit Bedeutung für ganz Österreich. Man schone natürliche Ressourcen und unterstütze zugleich die heimische Bauwirtschaft dabei, die kommenden regulatorischen Anforderungen umzusetzen, so Wieltschnig.
Knauf sammelt nicht nur Dämmwolle ein. Auch beim Gips arbeitet der Konzern daran, Material zurückzuholen: Mit lokalen Partnern in Bayern und Frankreich hat Knauf bereits Joint Ventures für das Gipsrecycling angekündigt, im bayerischen Neuhof an der Zenn soll bis 2027 eine entsprechende Anlage entstehen.
