Solarmodul-Recycling
Bis zu 35 Millionen Tonnen Solarmüll könnten bis 2050 in der EU anfallen. Ein Tiroler Entsorger nutzt als erster Kunde eine Maschine, die Alurahmen automatisch löst. Perspektivisch könnte daraus eine komplette Recyclingstraße werden.
PV-Recycling: Erste Roboteranlage läuft in Tirol
Das Amstettener Green-Tech-Unternehmen 2nd Cycle hat eine vollautomatische Entrahmungsanlage für Photovoltaikmodule entwickelt. Sie erkennt unterschiedliche Modulformate selbstständig und löst die Aluminiumrahmen automatisch – sowohl bei intakten als auch bei bereits gebrochenen, gerahmten Modulen, ohne dass dafür mechanisch umgerüstet werden muss. Die Anlage ist bereits im industriellen Einsatz.
Den ersten Käufer fand 2nd Cycle in Tirol – beim Entsorgungsunternehmen DAKA. Der Entsorger steigt damit in die automatisierte Aufbereitung gebrauchter PV-Module ein: Die Entrahmungsanlage lässt sich eigenständig betreiben und später um weitere Stationen ergänzen.
Baustein einer größeren Kette
Diese Stationen entstehen bei 2nd Cycle bereits. Die Entrahmung ist die zentrale Komponente einer vollautomatischen Recyclingstraße, die das Unternehmen für Altmodule entwickelt. Die Prozesskette soll komplett ohne manuelle Eingriffe auskommen, hochreine Wertstofffraktionen liefern und am Ende bis zu 90 Module pro Stunde schaffen. Die Stationen für Reinigung, Entfernung der Anschlussdose und Delamination – das Trennen der einzelnen Schichten im Modulaufbau – sind laut Unternehmen teils fertig entwickelt, teils kurz davor.
Der Bedarf an solchen Anlagen dürfte wachsen. Das Joint Research Centre der Europäischen Kommission rechnet für die EU-27-Staaten mit einem kumulierten Aufkommen von sechs bis 13 Millionen Tonnen PV-Abfall bis 2040; bis 2050 könnten es 21 bis 35 Millionen Tonnen werden. Die europäische Recyclingkapazität hält damit nicht Schritt. Eine Untersuchung der Universität Murcia und des JRC beziffert die derzeit verfügbare Kapazität in der EU auf etwa 170.000 Tonnen im Jahr – dem steht bis 2050 ein jährliches Aufkommen im Millionen-Tonnen-Bereich gegenüber.
Für 2nd-Cycle-Geschäftsführer und Co-Founder Simon Prüller ist die DAKA-Anlage der Beleg, dass sich die Technik in den Alltag eines Entsorgungsbetriebs einfügt: „Mit der ersten Kundenanlage zeigen wir, dass sich die automatisierte Aufbereitung von PV-Modulen in den industriellen Betrieb eines Entsorgungsunternehmens integrieren lässt. Entscheidend sind ein stabiler Prozess, definierte Fraktionen und ein planbarer Durchsatz.“










