Getränkekarton-Recycling
Die Papierfabrik Niederauer Mühle bringt einen weiß gedeckten Testliner mit garantiertem Anteil recycelter Getränkekartonfasern auf den Markt. Abfüller können damit einen bezifferbaren Faseranteil ausweisen.
Niederauer Mühle liefert Testliner aus Getränkekartonfasern
Zwischen Anspruch und Realität klafft bei Getränkekartons eine Lücke von gut zehn Prozentpunkten. Das Verpackungsgesetz schreibt eine Recyclingquote von 80 Prozent vor, das Umweltbundesamt meldet für das Berichtsjahr 2024 lediglich 69,5 Prozent. In diese Lücke zielt ein Produkt, das die Papierfabrik Niederauer Mühle ab sofort anbietet — der EifelLiner PaperLoop, nach Unternehmensangaben der erste und einzige weiß gedeckte Testliner mit einem garantierten Mindestanteil von 25 Prozent recycelter Getränkekartonfasern. Testliner ist ein aus Altpapier hergestelltes Rohpapier, das anschließend zu Wellpappe verarbeitet wird.
Der Nachweis als Verkaufsargument
Die Ausgangslage ist für den Hersteller komfortabel. Die Niederauer Mühle ist nach eigenen Angaben die einzige Papierfabrik in Deutschland, die gebrauchte Getränkekartons aufbereitet und deren Fasern wieder zu Rohpapier verarbeitet.
Für die Abfüller übersetzt sich diese Sonderstellung in eine konkrete Option. Wer Milch oder Saft in Kartons füllt, kann seine Trays künftig aus Papier fertigen lassen, in dem Fasern aus gebrauchten Getränkekartons stecken. Aus dem Kreislaufversprechen wird damit eine Rechengröße, die sich auf der Verpackung oder in der Nachhaltigkeitsberichterstattung ausweisen lässt.
CEO Karsten Derks formuliert das Argument entlang der Schwachstelle des bestehenden Systems: „Das Sammeln der Getränkekartons über den Grünen Punkt schließt ja noch keinen Kreislauf. Entscheidend ist, dass die Papierfasern wieder genutzt werden.“ Das könne nur seine Fabrik leisten, sagt Derks, der PaperLoop biete den Verwendern die Chance, den Kreislauf ihres Produkts zu belegen.
Die Mengengerüste dahinter sind beachtlich. Für den deutschen Markt werden jährlich rund 180.000 Tonnen Getränkekartons produziert, etwa acht Milliarden Packungseinheiten. Bis zu 70 Prozent des Verpackungsmaterials bestehen aus Papierfasern. Die Niederauer Mühle kann nach eigenen Angaben bis zu 120.000 Tonnen Getränkekartons pro Jahr verarbeiten — rein rechnerisch also zwei Drittel der Jahresproduktion, sofern die Mengen den Standort auch erreichen.
Differenzierung für Wellpappenhersteller
Auch die Verarbeitungsstufe soll profitieren. Wellpappenhersteller, die den PaperLoop einsetzen, können ihren Kunden einen garantierten Anteil recycelter Getränkekartonfasern zusichern. In Deutschland werden jährlich rund 10,78 Milliarden Quadratmeter Wellpappe produziert, 43 Prozent davon gehen in den Lebensmittelbereich.
Technisch bleibt das Papier nah am bekannten EifelLiner. Die Laufeigenschaften sind laut Hersteller identisch, der Aufbau folgt demselben Prinzip. Gefärbt wird nicht, die Optik entspricht den Vormaterialien — was gute Bedruckbarkeit mit einer natürlichen Haptik verbindet. Als nicht vertikal integrierter Rohpapierhersteller ist die Niederauer Mühle zudem an keine Weiterverarbeitungsstruktur gebunden und kann alle Marktsegmente beliefern.
Offen bleibt die Preisfrage. Ob Abfüller und Handel für einen belegbaren Faserkreislauf zahlen — oder ob es beim Interesse bleibt —, wird sich erst in den kommenden Monaten zeigen.











