Edelmetallrecycling

Palladium macht Kunststoff galvanisierbar – ein Teil davon geht aber im Spülwasser verloren. Hansgrohe holt das Edelmetall mit Spezialvliesen zurück, bis zu 82 Prozent. Dafür gibt es jetzt einen Preis.

Hansgrohe holt Palladium aus dem Spülwasser

Anlage zur Palladium-Rückgewinnung bei Hansgrohe in Offenburg mit grauen Rohrleitungen, orangefarbenen Ventilen und Schaltschrank

Im gängigen Verfahren der Kunststoffgalvanik ist Palladium kaum zu ersetzen. „Das Edelmetall dient als Keim für eine erste, stromlos abgeschiedene Metallschicht – erst sie macht den Kunststoff leitfähig für Kupfer, Nickel und Chrom. Ein kleiner Teil des Palladiums landet dabei zwangsläufig im Spülwasser. Beim Armaturenhersteller Hansgrohe ging er bislang verloren.

Jetzt holt das Unternehmen aus Schiltach das Edelmetall zurück und bekommt dafür einen Preis. Beim Deutschen Award für Nachhaltigkeitsprojekte 2026 belegte Hansgrohe mit dem Verfahren den ersten Platz in der Kategorie „Projekt – Technologie“. Bei einer zweiten Auszeichnung ist das Projekt nach Unternehmensangaben noch im Rennen, als Finalist des Circularity Champion Award 2026 in der Kategorie Recycling und Rückgewinnung. Der Circularity Champion Award wird am 12. und 13. Oktober in Düsseldorf verliehen.

Vlies statt Verlust

Leicht zu fassen ist das Palladium allerdings nicht. In den Prozesswässern liegt es nur in sehr geringer Konzentration vor, verteilt in einem komplexen Stoffgemisch. Wer es zurückgewinnen will, muss es gezielt herausfischen. Hansgrohe leitet das vorbehandelte Wasser dafür über Adsorbervliese, die das Edelmetall selektiv binden.

Seit 2018 haben die Verfahrenstechnologen des Unternehmens die Technik schrittweise für den industriellen Einsatz optimiert. Das Deutsche Textilforschungszentrum Nord-West (DTNW) steuerte sein Wissen zur Metallrückgewinnung und die Vliese bei. Die aqua plus Wasser- und Recyclingsysteme GmbH setzte die Anlage technisch um. Das Verfahren ist inzwischen fest in die Produktionsabläufe der Kunststoffgalvanik am Standort Offenburg integriert.

Grafik: Hansgrohe

Unterm Strich kommen dort rund fünf Kilogramm Palladium pro Jahr zusammen, die Hansgrohe in den Rohstoffkreislauf zurückführt. Das klingt erst mal nach wenig. Im optimierten Kreislaufbetrieb holt die Anlage allerdings bis zu 82 Prozent des enthaltenen Edelmetalls aus dem Wasser. Der größte Teil des Edelmetalls bleibt damit im Kreislauf.

Deutlich größer fällt nach Angaben des Unternehmens der Klimaeffekt aus. Verglichen mit der Gewinnung derselben Menge Primärpalladium ließen sich rund 150 Tonnen CO₂-Äquivalente pro Jahr vermeiden.

Aus einem „bisherigen Verluststrom“ habe das Unternehmen einen „wertvollen Rohstoffkreislauf“ geschaffen, erklärt Produktionsvorstand Frank Semling. Das Verfahren zeige, „wie Kreislaufwirtschaft im industriellen Maßstab erfolgreich umgesetzt werden kann“. Beim Palladium muss es nicht bleiben. Hansgrohe kann sich vorstellen, das Verfahren auch in anderen Bereichen der Oberflächentechnik einzusetzen und damit weitere kritische Rohstoffe zurückzugewinnen.

320°/re

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