Transformation
Der Kanzler besucht die Dillinger Hütte und wirbt für grünen Stahl aus Deutschland. Seine Botschaft reicht weit über das Saarland hinaus, denn es geht um die Frage, ob die Grundstoffindustrie hierzulande noch eine Zukunft hat.
Merz macht Stahl zur Standortfrage
Wo jahrzehntelang Kohle den Takt der Stahlproduktion vorgab, soll künftig Wasserstoff die Hauptrolle übernehmen. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat sich bei einem Besuch der Dillinger Hütte angesehen, wie der Umbau der saarländischen Stahlindustrie vorankommt. Seine Botschaft hatte er gleich mitgebracht. „Wenn wir Industrieland bleiben wollen – und wir müssen Industrieland bleiben, um den Wohlstand unseres Landes zu erhalten – dann brauchen wir in Deutschland eigene Stahlerzeugung“, sagte Merz.
Das Saarland dient ihm dabei als Beleg. Die Grundstoffindustrie lasse sich klimafreundlich modernisieren und zugleich wettbewerbsfähig halten, so der Kanzler. Konkurrenzfähiger Stahl könne auch künftig „in Deutschland und vor allem hier im Saarland“ hergestellt werden. „Das macht Mut für Deutschland.“
Milliarden für den Umbau
Billig ist dieser Weg nicht. Rund 4,6 Milliarden Euro kostet die Transformation der Stahlindustrie an der Saar. Bund und Land steuern 2,6 Milliarden Euro an Fördergeld bei, den Rest tragen die Unternehmen selbst.
Mit den neuen Anlagen in Dillingen und Völklingen sollen die CO2-Emissionen bis Anfang der 2030er-Jahre um bis zu 55 Prozent sinken – das entspricht 4,8 Millionen Tonnen pro Jahr. Bis 2045 soll die Produktion CO2-neutral sein. Zunächst läuft der Prozess allerdings mit Erdgas, erst später soll Wasserstoff übernehmen.
Das klingt nach einem klaren Fahrplan. Die Frage ist nur, ob Wasserstoff rechtzeitig und zu Preisen verfügbar sein wird, die den Stahl am Ende tatsächlich wettbewerbsfähig machen. Davon hängt ab, ob sich das Mutmach-Versprechen des Kanzlers einlöst.
Rohstoffe als Machtfrage
Merz spannte den Bogen weiter. Die Versorgung mit kritischen Rohstoffen sei „eine Schlüsselfrage für unsere industrielle und technologische Souveränität“. Souveränität brauche Deutschland eben nicht nur in der Sicherheits- und Verteidigungspolitik, sondern auch bei „der Versorgung mit Rohstoffen und mit industriellen Kompetenzen“.
Wie das im Kleinen aussehen kann, zeigte Merz an einem Beispiel abseits des Stahls. Die Stahl-Holding Saar (SHS) beteiligt sich an dem deutschen Start-up Y-SIC, das ein patentiertes Verfahren zur Herstellung von hochreinem Siliziumkarbid (3C-SiC) entwickelt hat. Den Werkstoff benötigt vor allem die Halbleiterindustrie. Produziert werden soll er schon im kommenden Jahr in Dillingen.
Für Merz ist das mehr als eine Randnotiz. Es sei ein weiterer Beleg dafür, dass die Transformation der Wirtschaft bereits stattfinde, „während viele noch überlegen oder gar zweifeln, ob sie überhaupt gelingen kann“.











