Batterierecycling
Beim Batterierecycling dreht sich fast alles um Nickel, Kobalt und Kupfer. Graphit bleibt meist außen vor. Vianode und FAAM haben nun Produktionsabfälle zu neuem Anodenmaterial aufbereitet. Jetzt folgt der schwierigere Teil, die Skalierung.
Graphit aus Batterieausschuss besteht ersten Test
In jeder Lithium-Ionen-Batterie steckt mehr Graphit als jedes andere Material. Trotzdem spielt der Rohstoff im Recycling bislang eine Nebenrolle – die Anforderungen an Reinheit und Konsistenz sind so hoch, dass recycelter Graphit nur selten wieder in der Anode landet.
Der norwegische Graphithersteller Vianode und der Batteriehersteller FAAM haben nach eigenen Angaben gezeigt, dass es funktioniert. Im Rahmen eines gemeinsamen Entwicklungs- und Qualifizierungsprogramms hat Vianode Graphitkonzentrat verarbeitet, das aus den Produktionsabfällen der Anodenfertigung bei FAAM stammt. Daraus entstand recycelter Graphit in Anodenqualität. Nach Angaben der Unternehmen zeigte das Material in Tests eine elektrochemische Leistung, die mit der von Neuware vergleichbar ist.
Der Weg zur Serie
Im Test hat das Verfahren funktioniert. Offen ist, ob es auch im industriellen Maßstab trägt. Das wollen die Partner nun herausfinden – und bauen ihre Zusammenarbeit aus. Der Recyclingprozess soll skaliert und der recycelte Graphit stärker in die Batterieproduktion eingebunden werden. Am Ende soll ein geschlossener Kreislauf stehen, der Abfall reduziert und regionale Lieferketten stabilisiert.
Allerdings lohnt ein genauer Blick auf das Ausgangsmaterial. Vianode hat Graphitkonzentrat aus dem Ausschuss der Anodenfertigung verarbeitet – vergleichsweise sauberes Material aus einer definierten Produktion. Graphit aus Altbatterien ist ein anderes Kaliber. Er ist mit Elektrolyt- und Binderresten sowie Metallen verunreinigt, seine Struktur hat über die Nutzungsdauer gelitten. Diesen schwierigeren Teil des Kreislaufs lotet Vianode in separaten Absichtserklärungen aus, unter anderem mit Fortum Battery Recycling und cylib.
Der strategische Hintergrund ist offensichtlich. China dominiert die Verarbeitung von Batteriegraphit und hat seit Ende 2023 Exportkontrollen für bestimmte Graphitprodukte verhängt. Europa sucht deshalb nach eigenen Quellen, und jede Tonne, die im Kreislauf bleibt, muss nicht importiert werden.
Vianode-Vertriebschef Stefan Bergold sieht in dem Projekt einen Beleg dafür, dass Graphitrecycling leistungsfähig und skalierbar sein kann. Produktionsabfälle ließen sich ohne Qualitätseinbußen in die Wertschöpfungskette zurückführen. FAAM-Chef Andrea Civitillo geht noch weiter. Die Kreislaufwirtschaft für Graphit sei inzwischen eine industrielle Realität und kein theoretisches Ziel mehr.
Belastbare Aussagen dazu werden erst möglich sein, wenn die Unternehmen Mengen, Kosten und einen Zeitplan für die Skalierung nennen. Bislang fehlen diese Angaben.









