Biobasierte Kunststoffe
Das Startup Furanova will aus Zucker und Ökostrom einen Grundstoff für Plastikflaschen herstellen – und dabei gleich noch Wasserstoff gewinnen. Jetzt verlagert es seine Pilotanlage in den Chemiepark Gendorf. Die eigentliche Bewährungsprobe kommt erst noch.
Zucker rein, Kunststoff-Grundstoff raus: Furanova zieht mit Pilotanlage nach Gendorf
Wer eine PET-Flasche Sprudel zu lange im Schrank stehen lässt, kennt das Problem: Irgendwann ist die Kohlensäure raus. Das liegt am Material, denn PET lässt Gase durch. Der Kunststoff PEF (Polyethylenfuranoat) hält sie besser zurück und ist vollständig recycelbar. Sein Kernbaustein lässt sich statt aus Erdöl aus pflanzlichen Rohstoffen gewinnen: FDCA (2,5-Furandicarbonsäure). Genau diesen Stoff will das Startup Furanova künftig im oberbayerischen Chemiepark Gendorf herstellen.
Von Raubling ins Chemiedreieck
Bis die Furansäure in Flaschen landet, ist es allerdings noch ein weiter Weg. Der erste Abschnitt führt Furanova aus Raubling im Landkreis Rosenheim nach Burgkirchen an der Alz, mitten ins bayerische Chemiedreieck. Noch in diesem Herbst bezieht das Startup seine Büros im Chemiepark. Die Pilotanlage soll auf „Base ONE“ entstehen. Das ist eine Fläche, die Standortbetreiber InfraServ Gendorf eigens für Deeptech-Startups und -Scaleups hergerichtet hat. Im ersten Quartal 2027 soll sie in Betrieb gehen.
Dabei soll es nicht bleiben. Auf die Pilotanlage sollen eine Demonstrationsanlage und später eine Produktionsanlage folgen. Langfristig plant Furanova am Standort mit 60 bis 80 Arbeitsplätzen. Voraussetzung ist, dass das Verfahren im größeren Maßstab hält, was es im Labor verspricht.
Als Rohstoffe nutzt das Verfahren Zucker und erneuerbaren Strom. Dabei entsteht FDCA, gleichzeitig fällt grüner Wasserstoff an. Furanova verbindet damit in einem Prozess zwei Bausteine, die die Abhängigkeit der Industrie von fossilen Rohstoffen verringern sollen.
Ob das auch jenseits des Labors funktioniert, soll die Pilotanlage in Gendorf zeigen: Dort wird die Technologie erstmals im industriellen Pilotmaßstab erprobt. Für Gründer und CEO Oliver Bolzern ist der Umzug „der nächste logische Schritt auf dem Weg zur industriellen Skalierung“. Gendorf biete Infrastruktur, Erfahrung und ein industrielles Umfeld, um die Anlage zügig in Betrieb zu nehmen.
Großer Markt, offene Fragen
Den adressierbaren Kunststoffmarkt schätzt Furanova auf 100 bis 200 Millionen Tonnen – etwa für Flaschen, Fasern und Folien aus PEF. Wann Demonstrations- und Produktionsanlage kommen sollen, welche Mengen sie liefern und was das FDCA kosten wird, ist bislang nicht bekannt.
Für den Chemiepark ist die Ansiedlung trotzdem ein Signal. InfraServ Gendorf wirbt gezielt um technologieorientierte Unternehmen: Neben Fläche gibt es technische Dienstleistungen und Unterstützung im Umgang mit Behörden, bei Planung und Projektumsetzung. Die Dienstleistungen und die Unterstützung nennt der Chemiepark neben der vorhandenen Infrastruktur als wesentliche Gründe für die Standortwahl. Hinzu kommt der schnelle Einstieg über Base ONE.
Das Startup leiste „einen konkreten Beitrag zur Dekarbonisierung der chemischen Industrie“, sagt Christoph von Reden, Geschäftsleiter von InfraServ Gendorf. Der Chemiepark vermarktet sich inzwischen als „Home of Bavarian Deeptech“.









